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Altes Ägypten, Pharaonen
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Schmuck

Seit der frühesten Zeit der ägyptischen Geschichte wurde Schmuck als Zierde, aber auch als Statussymbol verwendet. Es überrascht daher nicht, Schmuck unter den ersten Artefakten zu finden, die wir aus Ägypten kennen. Schon in der Badari-Zeit (um 5500-4000 v. Chr.) wurden breite Gürtel aus glasierten grünen Steinperlen hergestellt. Später in der prädynastischen Zeit trug man Halsketten aus Fayende-Perlen sowie Armbänder und Amulette aus Muscheln und Elfenbein.
Im Grab des Djer (1. Dynastie) in Abydos entdeckte Flinders Petrie einen abgetrennten Arm, der mit vier Armbändern geschmückt war. Diese frühen Schmuck-Stücke belegen neben hochentwickelten handwerklichen Fähigkeiten die Verwendung von kostbaren Materialien wie Gold, Lapislazuli, Türkis und Amethyst. Obwohl vom Grab des Sechemchet (3. Dynastie) in Saqqara die eigentliche Grablege nicht erhalten war, förderten die Ausgrabungen Schmuck von ungewöhnlicher Schönheit zutage, darunter ein zartes Armband aus Goldperlen. Das Grab der Königin Hetepheres I. (4. Dynastie) in Gisa enthielt zahlreiche Beispiele von königlichem Schmuck, darunter Silberarmreifen mit Schmetterlingseinlagen. Es gab Zeiten, in denen die Ägypter Silber offensichtlich höher schätzten als Gold, und dieser Fund lässt Rückschlüsse zu auf die Reichtümer, die den Königen des Alten Reiches (2686-2181 v. Chr.) in Form von Schmuck ins Grab mitgegeben worden sein müssen.
Der Höhepunkt der ägyptischen Schmuck-Herstellung war zweifellos das Mittlere Reich (2055-1650 v. Chr.), als Stücke von grosser Eleganz und Feinheit geschaffen wurden, wie im Fall des Schmucks der Prinzessin Chenemet (oder Chnumit), die in der Regierungszeit Amenemhats II. (1922-1878 v. Chr., 12. Dynastie) in Dahschur beigesetzt wurde. Zu ihrer Ausstattung gehörten zwei schöne, durchbrochen gearbeitete Diademe mit Halbedelstein-Einlagen und das berühmte, kretisch beeinflusste „Stier-Mosaik“-Medaillon, von dem man bis vor kurzem allgemein annahm, es sei aus Glas. Diesem Grabschatz kommt an Bedeutung nur noch der Schmuck der Sithathoriunet aus dein späten 12. Jh. gleich: In einem Schachtgrab in el-Lahun fand man ein Diadem, einen Halskragen aus Gold und zwei Pektorale sowie Halsketten und Perlengürtel (heute im Metropolitan Museum in New York und im Ägyptischen Museum Kairo).
Aus der Königsnekropole in el-Lischt stammt der fein gearbeitete Schmuck einer vornehmen Dame namens Senebtisi, deren breiter Halskragen u.a. aus Fayence, Türkis und Blattgold besteht. Dieses Schmuck-Stück besitzt keinen Verschluss; es könnte daher von vornherein nur als Grabbeigabe gedacht gewesen sein. Das gleiche Grab enthielt filigrane Blumenornamente, einen Perlengürtel mit einer goldenen Schliesse, die mit Senebtisis Namen geschmückt war, sowie einen weiteren Schmuck-Kragen mit Falken als Endstücken. Der Schmuck dieser Epoche beeinflusste das benachbarte Ausland; so fanden sich bei Ausgrabungen in der syrisch-palästinischen Stadt Byblos zahlreiche ägyptisierende Gegenstände, darunter eine goldene „Brustplatte“ mit dem Muster eines ägyptischen Schmuck-Kragens.
Die ersten bedeutenden Schmuck-Funde aus dem Neuen Reich (1550-1069 v. Chr.) stammen aus dem Grab von Königin Ahhotep, deren Grabausstattung prachtvolle Einlegearbeiten enthielt, ausserdem eine äusserst fein gearbeitete Kette aus sechsfach geschlungenem Golddraht. In einem stark geplünderten Felsgrab im Wadi Qubbanet el-Qirut, etwa 3 km vvestlich von Deir el-Bahri, fand man den Schmuck von Menwi, Merti und Menhet, drei ausländischen Nebenfrauen Thutmosis' III. (1479-1423 v. Chr.). Der Fund, der heute im New Yorker Metropolitan Mseum of Art aufbewahrt wird, markiert eine Trendwende, denn neben Gold und Edelsteinen wird auch Glas verwendet. Glas war damals zwar ein wertvolles Material, ab der Neue Reichs-Schmuck wirkt von nun an eher überladen prunkvoll und beginnt, an Zartheit und Eleganz zu verlieren.
Der legendäre Schmuck des Tutanchamun (1336-1327 v. Chr.) wird gelegentlich als „teurer Modeschmuck“ beschrieben, dem die Eleganz und Feinheit der Arbeiten des Mittleren Reiches und des frühen Neuen Reiches fehlen. Der Hauptfund der 19. Dynastie ist der Schmuck des Chaemwaset, eines Sohnes Ramses' II. (1279-121 v. Chr.), dessen Grabkapelle an das Serapeum in Saqqara anschloss. Zwei der Apis-Stier-Bestattungen, für die der Prinz verantwortlich war, enthielten ebenfalls Schmuck, wenn dieser auch nach allgemeiner Ansicht plump und schlecht gearbeitet ist.
Während des Neuen Reiches erfreute sich Ohr-Schmuck relativ grosser Beliebtheit; vielfältige Ohrringe wurden hergestellt, vornehmlich aus Edelstein und Glas. Bei seinen Ausgrabungen in Tanis von 1939 bis 1940 entdeckte Pierre Montet Königs-Schmuck der 3. Zwischenzeit (1069-747 v. Chr.); er erreicht vielleicht nicht ganz die Vollendung einiger früherer Arbeiten ist aber im grossen und ganzen dem Schmuck-Stil des Neuen Reiches ähnlich.
Die Untersuchung erhaltener Schmuck-Stücke unter wissenschaftlichen und ästhetischen Gesichtspunkten lässt sich ergänzen durch Bildmaterial aus Gräbern wie denen des Rechmira, des Amenemopet und des Sobekhotep sowie durch Schutt aus Fayence-Werkstätten wie jenen in el-Amarna. Der Schmuck ärmerer Leute war in der Regel aus weniger wertvoller Steinen oder aus Fayence hergestellt. Bei den Grabungsarbeiten in el-Amarna kamen grosse Mengen von Formen aus gebranntem Ton zutage, die zur Herstellung von Fayence-Amuletten, -Perlen und -Fingerringen benutzt wurden. Scheibenperlen aus blauer Fayence wurden in Städten der 18. Dynastie wie el-Amarna und Malkata offenbar zu Tausenden hergestellt (und wohl auch verloren).


 

 

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