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Altes Ägypten, Pharaonen
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Schiffe und Boote

Auf Grund der landschaftlichen Gegebenheiten Ägyptens als Flussoase – mit dem Nil und seinen Seitenarmen als Lebensader - kam der Schiffahrt im alten Ägypten herausragende Bedeutung zu, und zwar sowohl als Kommunikationsmittel im praktischen wie auch als allgegenwärtiges Symbol im religiösen Bereich. Im Niltal blies der Wind vorwiegend aus Norden; so konnten für die Fahrt nach Süden Segel eingesetzt werden. Für die Fahrt nach Norden, gegen den Wind, verliess man sich auf Ruder und auf die Strömung. Entsprechend besteht die Hieroglyphe für „Reisen nach Norden“, selbst wenn die Reise auf dem Landweg stattfand, aus einem Boot mit eingeholten Segeln, für „Reisen nach Süden“ aus einem B. mit geblähten Segeln. Der Einsatz von Booten ist bereits aus der Zeit der vorgeschichtlichen Naqada-II-Kultur belegt (Gerzéen; um 3500-3100 v. Chr.). Die wichtigsten Informationsquellen über ägyptische Schiffe sind Darstellungen an Grabwänden, Schiffsmodelle als Grabbeigaben und Textmaterial. Auch einige echte Boote hat man gefunden, so die inzwischen rekonstruierte Sonnenbarke des Cheops (2389-2566 v. Chr.), ausserdem Bruchstücke von Schiffsplanken, die erhalten blieben, weil sie z. B. beim Bau von Gleitbahnen für Schiffe wieder verwendet wurden.
Die Benutzung von Schiffen als Fortbewegungsmittel war für die alten Ägypter so selbstverständlich, dass es ganz natürlich schien, den am Himmel dahingleitenden oder durch die Unterwelt fahrenden Sonnengott Ra in seiner Barke darzustellen. Anders dagegen die Einstellung zu Siffs-Fahrten ausserhalb des Niltals, im Mittelmeer oder im Roten Meer: Hier hielten sich die Schiffe stets in Küstennähe - im Gegensatz zu den alten Griechen waren die alten Ägypter offensichtlich kein Volk von Seefahrern.
Die ersten und einfachsten Schiffe waren wahrscheinlich Nachen, die aus zusammengebundenen Papyrus-Stengeln bestanden. Diese Boote, die vermutlich bis zum Ende der Pharaonenzeit im Einsatz waren, verwendete man gewöhnlich zum Fischfang und zur Jagd im Papyrusdickicht, als Fähren und für kurze Entfernungen. Aber schon aus prädynastischer Zeit liegen Hinweise auf grössere Schiffe vor, die damals allerdings wohl auch noch aus Schilf hergestellt wurden. Auf bemalter Keramik der Naqada-Zeit finden sich Darstellungen von kunstvoll gestalteten Schiffen mit vielen rudernden Matrosen. Bug und Heck solcher Schiffe waren nach oben gebogen, sie verfügten normalerweise über mindestens ein grosses Steuerruder und manchmal auch über Segel und Kabine.
Die Schiffe des Alten Reiches (2686-2181 v. Chr.) waren gewöhnlich aus Holz, das entweder aus Ägypten stammte oder aus Syrien-Palästina eingeführt wurde. Der typische Rumpf war in der Regel stark gebogen. Ausgestattet waren sie normalerweise mit mehreren Steuerrudern, einem Mast und einem langen, schmalen Segel. Ruder kamen zum Einsatz, wenn der Wind für die Segel nicht ausreichte. Das bekannteste erhaltene Schiff aus dem Alten Reich ist das Boot, das neben der Cheops-Pyramide in Gisa gefunden wurde: Es war aus grossen Holzplanken hergestellt, die mit Seilen zusammengefügt waren. Wesentlich weniger aufwendig konstruierte Schiffe wurden für den Transport von Steinen eingesetzt, die vom Steinbruch zur Baustelle eines Pyramidenkomplexes gebracht werden mussten. Die Reliefs am Aufweg zur Pyramide des Wenis (2375-2345 v. Chr.) zeigen die Schiffe, die die für seinen Taltempel bestimmten grossen Papyrussäulen aus Granit tragen.
Das typische Schiff des Mittleren Reiches (2055-1650 v. Chr.) war ähnlich konstruiert, verfügte aber über technische Verbesserungen: Die beweglichen Steuerruder wurden ersetzt durch ein einzelnes, das mit Pinne versehen war und von einer Ruderstütze gehalten wurde. Der Mast konnte bei Nichtgebrauch abmontiert und umgelegt werden, die Kabine befand sich gewöhnlich auf dem Heck.
Viele Modelle solcher Schiffe sind in Gräbern gefunden worden; sie spielten dort eine wichtige Rolle im Totenkult, symbolisierten sie doch für den Toten die Reise nach Abydos. Es sind auch Holzteile von Schiffen erhalten, die für Gleitbahnen und Rampen bei den Pyramidenanlagen von el-Lischt wiederverwendet worden waren.
Im Neuen Reich (1550-1069 v. Chr.) haben sich die Schiffe offenbar weiterentwickelt: Es gab jetzt Kajütenaufbauten an Bug und Heck und zusätzlich eine Hauptkabine in der Mitte des Boots; der Steuermann arbeitete wie vorher mit doppelten Steuerrudern unter Verwendung von Seilen und Hebeln, und das Segel war jetzt breiter als hoch. Die damalige ägyptische Kriegsflotte wurde auf die Probe gestellt, als es darum ging, die Invasion der Seevölker zurückzuschlagen; die Reliefs in Medinet Habu, dem Totentempel Ramses' lll. (1184-1153 v.Chr.), berichten darüber. Wie schon im Alten Reich wurden ungeheure Steinmassen auf Last-Schiffen transportiert, so die Obelisken für den Tempel der Hatschepsut (1473-1458 v. Chr.) in Deir el-Bahri. Unter Hatschepsut fand auch eine Expedition nach Punt statt, die teilweise auf dem Seeweg verlief. Aus der späten 20. Dynastie datiert ein literarischer (möglicherweise pseudo-historischer) Text, der Bericht des Wenamun: Dieser schildert die Schiffs-Reise eines Beamten nach Byblos, der dort Holz einhandeln soll, zunächst aber wenig erfolgreich ist aufgrund des in der Region stark zurückgegangenen politischen Einflusses Ägyptens.
Die Schiffe der Spätzeit (747-332 v. Chr.) waren wohl im wesentlichen ähnlich geblieben, nur der Bug war im allgemeinen höher. Der wachsende griechische Einfluss ab der Saitenzeit führte zum Bau von See-Schiffen nach griechischem und phönikischem Vorbild. Zum Zeitpunkt der Seeschlacht von Actium - zwischen Kleopatra VII. (51-30 v. Chr.) und dem römischen Konsul Octavian, dem späteren Kaiser Augustus - scheinen die ägyptischen Schiffe ähnlich wie die römischen konstruiert gewesen zu sein.


 

 

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