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Bedeutendste Nekropole
von Memphis, die von der 1. Dynastie (3100-2890 v. Chr.) bis in die
christliche Zeit (395-540 n. Chr.) genutzt wurde. Etwa 17 km vom Kairoer
Vorort Gisa entfernt gelegen, erstreckt sie sich über eine Gesamtlänge von
etwa 6 km; an der breitesten Stelle misst sie etwa 1,5 km. Lange Zeit hielt
sich die Meinung, der Name Saqqara leite sich von dem des Gottes Sokar ab;
glaubwürdiger erscheint allerdings der Hinweis arabischer Chronisten, die
ihn auf den Namen eines arabischen Stammes zurückführen, der einst in dem
Gebiet lebte.
Auf die Bedeutung-, die Saqqara als Nekropole einmal hatte, verweist die
äusserst dichte Belegung; manche Gräber wurden viele Male benutzt, nahezu
alle jedoch schon in alter Zeit ausgiebig geplündert. Unterirdisch gleicht
Saqqara einer Bienenwabe: An der Wüstenoberfläche oft nicht zu erkennende
Gräber, Galerien und Grabräuberschächte durchziehen die Erde.
Narmer (um 3100 v. Chr., 1. Dynastie) ist der erste König, dessen Namen wir
aus Saqqara kennen; mit grosser Wahrscheinlichkeit war er selbst zwar in
Grab B17-18 des Friedhofs Umm el-Qa'ab in Abydos bestattet, doch fand man in
einem der ausgedehnten Magazine unter der Stufenpyramide des Djoser
(2667-2648 v. Chr.) eine Steinschale mit seinem Namen. Es ist nicht
auszuschliessen, dass es ursprünglich auch ein Monument aus der
Regierungszeit des Narmer in Saqqara gab, da Mastaba-Gräber aus einer nur
unwesentlich späteren Phase der 1. Dynastie hier gut belegt sind; sie bilden
eine eigene Gruppe am Nordost-Rand des Plateaus.
Es gilt als wahrscheinlich, dass sich die „Weissen Mauern“ (einer der Namen
des späteren Memphis) ursprünglich in der Nähe der heutigen Ortschaft Abusir
befanden, die am nordöstlichen Plateau-Rand, nahe den Gräbern der 1. und 2.
Dynastie, liegt. Die ständige Ausweitung des Mastaba-Friedhofs am Rand des
Plateaus während der ersten beiden Dynastien mag allmählich dazu geführt
haben, dass es der Bevölkerung von Memphis schliesslich schwerfiel, in der
riesigen Menge einzelne Gräber ausfindig zu machen; man hat darin einen
Grund sehen wollen, warum der Architekt Imhotep in der frühen 3. Dynastie
einen derart neuartigen Bau wie Djosers Grabmonument entwarf. Zum ersten Mal
wurde hier in Ägypten die Steinbauweise in so grossem Stil angewandt.
Deshalb lehnte sie sich auch noch eng an den früheren Baustil an, der von
Lehmziegeln und organischen Materialien geprägt war: Die „Palastfassaden“-Dekoration
blieb weiterhin in Gebrauch, und einige Formen der bisherigen Holzsäulen
wurden in Stein umgesetzt.
Mastabas wurden in Saqqara während des Alten Reiches (2686-2181 v. Chr.) für
die memphitische Oberschicht errichtet; viele dieser Gräber gruppieren sich
eng um die Königspyramiden, die vom Djoser-Bezirk aus der 3. Dynastie bis
zum Grabmal des Chendjer (um 1748 v. Chr., 13. Dynastie) reichen. Die
Pyramide des Wenis (2375-2345 v. Chr., 5. Dynastie) ist die erste, deren
Wände mit den Pyramidentexten beschriftet wurden, während der
Pyramidenbezirk von Pepi II. (2278-2184 v. Chr., 6. Dynastie) die letzte
bedeutende Grabanlage des Alten Reiches in Saqqara ist-. Die Reste der
kleinen Lehmziegelpyramide des ibi, eines Königs der 8. Dynastie,
symbolisieren den Niedergang des politischen und wirtschaftlichen Systemv
vom Alten Reich bis in die 1. Zwischenzeit (2181-2055 v. Chr.).
Im Mittleren Reich (2055-1650 v. Chr.) und in der 2. Zwischenzeit (1650-1550
v. Chr.) errichteten die ägyptischen Könige ihre Grabstätten dann
vorzugsweise in der Gegend um Dahschur und el-Lischt sowie in el-Lahun,
Hawara und Theben. Auch wenn Theben wahrscheinlich die religiöse Hauptstadt
des Neuen Reiches (1550-1069 v. Chr.) war, spielte Memphis in der Verwaltung
weiterhin eine bedeutende Rolle und blieb bis zum Ende des Pharaonenreichs
fast durchgehend der eigentliche Regierungssitz. Viele ranghofe Beamte des
Neuen Reiches residierten in der Stadt, und obwohl ihre Herrscher das
thebanische Tal der Könige als Bestattungsort wählten, liessen viele Adlige
sich kunstvolle, tempelartige Grabkapellen in Saqqara bauen, meist umgeben
mit den kleineren Gräbern ihrer Bediensteten und Angehörigen.
Einige dieser Neuen Reichs-Gräber dokumentierte Karl Richard Lepsius während
seiner Expedition von 1842 bis 1845, doch liess sich ihre genaue Lage später
aus Karten nur mehr schwer eruieren. Seit 1975 hat die gemeinsame Expedition
der Egypt Exploration Society und des Museums von Leiden einige dieser
Gräber wiederentdeckt, und zwar in dem südl. des Aufwegs der Wenis-Pyramide
gelegenen Teil der Nekropole, in dem die schönsten erhaltenen Gräber aus der
Zeitspanne zwischen Tutanchamun (1336-1327, späte 18. Dynastie) und Ramses
II. (1279-1213 v. Chr., frühe 19. Dynastie) stammen. Zu den wiederentdeckten
Gräbern gehören das des Maja, Vorsteher des Schatzhauses unter Tutanchamun,
und das seines Zeitgenossen, des Generals und späteren Pharaos Horemher
(1323-1295 v. Chr.), der im Tal der Könige beigesetzt wurde. In den Felsen
am nördl. Ende des Saqqara-Plateaus, wo sich auch die frühdynastischen Reste
finden, entdeckte eine franz. Expedition unter Leitung von Alain Zivie
ebenfalls vor kurzem das Grab des Aperia (oder Aper-el), der unter Echnaton
(1352-1336 v. Chr.) und Tutanchamun Wesir von Unterägypten war; dies scheint
darauf hinzudeuten, dass hohe Beamte auch dann noch in Memphis ihren
Amtssitz hatten, als Ägypten mit El-Amarna für kurze Zeit eine neue
Hauptstadt erhielt.
Auch in Nordwest-Saqqara wurden im Neuen Reich Grabstätten angelegt - die
Hypogäen (Grüfte) der heiligen Apis-Stiere, die spätestens ab der
Regierungszeit Amenhoteps III. (1390-1352 v. Chr.) bis in die Römerzeit in
den unterirdischen Galerien des Serapeums bestattet wurden. In der Spätzeit
(747-332 v. Chr.) wurden riesige Mengen heiliger Tiere in den ausgedehnten
Katakomben am Nord-Ende von Saqqara beigesetzt; unter diesen mumifizierten
Tieren und Vögeln befanden sich Kühe, die man als „Mütter des Apis“
identifizierte, sowie Paviane, Falken und Ibisse. Das Gebiet für die
Nekropole heiliger Tiere hatte man wahrscheinlich wegen seiner
traditionellen Verbindung mit Imhotep ausgewählt, der im Laufe der Zeit mit
Thot gleichgesetzt worden war, einem Gott, der insbes. mit Pavianen und
Ibissen in Verbindung gebracht wurde. Aus Texten geht hervor, dass auch dem
Gott Banebdjedet heilige Widder sowie die Kälber des Apis-Stiers in diesem
Gebiet bestattet wurden, doch konnten die entsprechenden Galerien noch nicht
lokalisiert werden. Weiter östlich fand man im Zusammenhang mit dem Anubeion
bzw. dem Bubasteion Bestattungen von Hunden oder Schakalen und von Katzen.
So viele Katzen wurden in diesem Teil von Saqqara beigesetzt, dass ihre
mumifizierten Überreste sogar in älteren Privatgräbern wie dem nahe
gelegenen Grab des Aper-el abgelegt wurden.
In der Nähe der Wenis-Pyramide finden sich Privatgräber aus der 26. und 27.
Dynastie (664-404 v. Chr.). Viele der Künstler, welche die Gräber der 26.
Dynastie (oder Saitenzeit) dekorierten, orientierten sich ganz bewusst an
der Grabkunst aus früheren Jh. Gräber der 30. Dynastie und der griech-röm.
Zeit (332 v. Chr. - 395 n. Chr.) befinden sich hauptsächlich an der
Nord-Seite der Stufenpyramide und zum Serapeum hin.
Da viele der Gräber in Saqqara (v. a. während des Neuen Reiches) aus
ungewöhnlich kleinen Steinblöcken errichtet wurden, konnten sie leicht
abgebaut und als Material für spätere Steinbauten wiederverwendet werden. So
wurde z. B. ein Grossteil des Jeremias-Klosters südlich des Wenis-Aufwegs
aus solchen wiederverwendeten Blöcken erbaut. Etwas südöstlich davon, in der
Nähe des Wenis-Taltempels, entstand zu der Zeit, als das Kloster in Betrieb
war, auch eine kleine koptische Siedlung. |