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„Geburtsname“ von 11
Königen der 19. und 20. Dynastie. Deshalb wird diese Phase des Neuen Reiches
auch oft als „Ramessidenzeit“ bezeichnet.
Ramses I. Menpehtira (1295-1294 v. Chr.) war ein Offizier aus dem Ost-Delta,
der unter Horemheb zum Wesir aufstieg und die 19. Dynastie (1295-1186 v.
Chr.) begründete. Seine Adoption durch Horemheb, der ihn zu seinem Erben
erwählte, ist in einer Inschrift überliefert; sie wurde auf dem granitenen
Innensarg angebracht, der offenbar angefertigt wurde, als Ramses I. noch
Wesir war (heute im Ägyptischen Museum Kairo). Ramses war mit einer Frau
namens Satra verheiratet, deren Vater ebenfalls Soldat war, und sie gebar
ihm einen Sohn, den künftigen Sethos I. Obwohl Ramses I. kaum zwei Jahre
regierte, gelang es ihn, Tempel in Abydos und Buhen zu errichten, den Bau
des 2. Pylonen in Karnak zu Ende zu führen und sein Grab im Tal der Könige
nahezu fertigzustellen, das - wie das Grab des Horemheb - mit Szenen aus dem
Pfortenbuch dekoriert ist. Der Stil der erhaltenen Grabausrüstung, zu der u.
a. die heute im Britischen Museum aufbewahrten hölzernen „Wächterstatuen“
gehören, erinnert an die Kunst der frühen 18. Dvnastie.
Ramses II. Wesermaatra Setepenra (1279-1213 v. Chr.) war der 3. König der
19. Dynastie. Während seiner ausserordentlich langen Regierungszeit wurde
eine Vielzahl von Tempeln, Monumenten und Statuen geschaffen (oder solche
früherer Herrscher usurpiert), darunter mehrere nubische Felstempel in Abu
Simbel, Amara-West, Beit el-Wali, Derr und Gerf Hussein. In Ägypten selbst
war Ramses II. als Bauherr nicht weniger aktiv. Hier gehörten zu seinen
Projekten mehrere Tempel in Memphis, Hof und Pylon des Luxor-Tempels, das
Ramesseum in Theben-West (sein Totentempel), ein weiterer Tempel in Abydos,
die Vollendung des dortigen Tempels seines Vaters und die Ausschmückung des
grossen Hypostyls von Karnak (neben einigen Erweiterungen der Anlage).
Das bedeutendste Ereignis seiner Regierungszeit, das wiederholt auf den
Wänden seiner Haupttempel gefeiert wurde, war die als Schlacht von Qadesch
berühmt gewordene kriegerische Auseinandersetzung mit den Hethitern, die ihm
zwar nicht den grossen Sieg brachte, den er sich fraglos gewünscht hatte,
jedoch gewährleistete, dass die Hethiter in Schach gehalten wurden und die
ägyptischen Interessen in der Levante mehr oder weniger gewahrt blieben.
Schliesslich unterzeichnete er einen Vertrag mit den Hethitern und
unterhielt eine rege Korrespondenz mit dem Hethiter-König und seiner
Gemahlin (bewahrt im Keilschriftarchiv in Boghazköy). Erhaltene Stelen
berichten von der weiteren Festigung der Beziehungen mit Hatti durch
diplomatische Ehen, die Ramses II. mit zwei hethitischen Prinzessinnen im
33. bzw. 44. Regierungsjahr einging.
Seine Hauptgemahlin war Nefertari, der der kleinere Tempel in Abu Simbel
geweiht war; nach ihrem Tod trat beider Tochter Meritamun an ihre Stelle als
Grosse königliche Gemahlin. Im Ost-Delta, wo seine Familie herstammte,
gründete er eine nette Hauptstadt namens Piramesse in der Nähe des heutigen
el-Chatana, wo Sethos l. zuvor schon einen Palast hatte errichten lassen.
Piramesse sollte für den Rest der Ramessidenzeit die Hauptstadt Ägyptens
bleiben, doch wurde das Tal der Könige als Königsfriedhof beibehalten. Die
Mumie Ramses II..' wurde allerdings nicht in seinem Grab gefunden, sondern
unter den Mumien, die im „Mumienversteck“ von Deir el-Bahri neu bestattet
worden waren.
Zunächst war Amunherchepeschef, einer seiner Söhne von Nefertari, der
designierte Thronerbe; ihm folgte Chaemwaset, der Sohn einer anderen
Königsgemahlin namens Isetnofret; aber auch er, der als Hoherpriester des
des Ptah in Memphis Karriere gemacht hatte, starb im 55. Regierungsjahr von
Ramses II. und damit etwa zehn Jahre vor seinem Vater. Als Ramses II.
schliesslich starb, folgte ihm sein 13. Sohn, Merenptah, auf dem Thron, und
selbst dieser dürfte bereits mittleren Alters gewesen sein, als er an die
Macht kam; er war der erste einer Reihe nur kurze Zeit regierender Könige,
die vielleicht infolge der ungewöhnlich langen Regierungszeit von Ramses
ihre besten Jahre schon hinter sich hatten.
Ramses III. Wesermaatra Meriamun (1184-1153 v. Chr.) war der 2. König der
20. Dynastie (1186-1069 v. Chr.). Er scheint bewusst alles daran gesetzt zu
haben, seinem berühmten Vorgänger Ramses II. nachzueifern, nicht nur was
seine Titel und Feldzüge anlangte, sondern auch in der Architektur seiner
Tempelbauten. Er war der Sohn des nur kurze Zeit regierenden Königs
Sethnacht (1186-1184 v. Chr.) und seiner Gemahlin Teje-Merenese
(altägyptisch Ti-meri-en-Iset). Ramses selbst heiratete eine Frau namens
Isis, doch hatte er, wie die meisten Neuen Reichs-Könige, viele Nebenfrauen,
die ihm zahlreiche Kinder gebaren.
Die Verteidigung Ägyptens beanspruchte einen Grossteil des ersten Drittels
seiner Regierungszeit. Zur frühesten kriegerischen Auseinandersetzung kam es
in seinem 5. Regierungsjahr mit den Libyern und ihren Verbündeten, die er
besiegte und als Sklaven nach Ägypten brachte. Drei Jahre später drangen die
Seevölker aus dem Norden, die von Merenptah im späten 13. Jh. v. Chr. schon
einmal zurückgeschlagen worden waren, nach Syrien vor, offenbar mit dem
Ziel, sich dort niederzulassen. Die Seevölker wurden, wie ihr Name schon
andeutet, von Seestreitkräften unterstützt, so von den Schirdana, die sich
als Seeleute einen Namen gemacht hatten. Obwohl in Seeschlachten vermutlich
nicht gerade geübt, gelang es der ägyptischen Flotte, die Flotte der
Seevölker zu zerstören, während gleichzeitig deren Truppen in Syrien zu
Lande besiegt wurden. Abgesehen von einem weiteren Feldzug gegen die Libyer
in seinem 11. Regierungsjahr, verliefen die restlichen zwei Jahrzehnte der
Regierungszeit Ramses` III. friedlich.
Diese Feldzüge sind, zusammen mit mehreren anderen, bei denen es sich aber
genauso gut um phantasievolle Kopien von Szenen aus dem Ramesseum handeln
könnte, in Wandreliefs des Totentempels Ramses' III. in Medinet Habu
festgehalten. Einzelheiten aus dem Leben Ramses' III. erfahren wir auch aus
dem Grossen Papyrus Harris, der heute im Britischen Museum aufbewahrt wird.
Diese längste bekannte Papyrusrolle enthält eine von Ramses IV. (1153-1147
v. Chr.) beim Tod seines Vaters zusammengestellte Liste von Tempelstiftungen
und endet mit einer Schilderung der Leistungen des verstorbenen Königs. Auf
welche Weise er starb, deuten die in mehreren Dokumenten überlieferten
Protokolle eines Gerichtsverfahrens gegen die Beteiligten an einer „Harimsverschwörung“
an; am aufschlussreichsten sind die Papyri Lee und Rollin sowie der sog.
Papyrus Judicaire Turin: Offenbar wollte eine Nebenfrau ihren Sohn anstelle
des Königs auf dem Thron sehen, den sie deshalb mit Hilfe anderer Frauen aus
dem Harim zu ermorden suchte. Ob die Verschwörung Erfolg hatte, ist
allerdings nicht klar; der urspriinglich in KV11 bestattete Leichnam des
Königs jedenfalls blieb im „Mumienversteck“ von Deir el-Bahri erhalten und
weist keine Anzeichen eines gewaltsamen Todes auf.
Es gab jedoch noch andere Probleme während der Herrschaft Ramses' III., die
anscheinend auf mangelnde Kommunikation zwischen dem König und seinen
Beamten zurückgingen. In seinem 29. Regierungsjahr kam es infolge
unregelmässiger und verzögerter Lieferung der monatlichen
Verpflegungsrationen zu einem Streik der Arbeiter von Deir el-Medina.
Einer seiner Söhne, Ramses IV, bestieg als sein Nachfolger den ägyptischen
Thron. Er war der erste einer Reihe zunehmend schwacher Herrscher.
Schliesslich ging unter Ramses Xl. (1099-1069 v. Chr.) am Ende der 20.
Dynastie die Herrschaft über Theben in die Hände libyscher Generäle über,
die den Titel Hoherpriester des Amun trugen. Am Ende der 22.Dynastie hatte
sich ein Grossteil des Reiches in unabhängige Fürstentümer aufgespalten. |