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Militärischer
Zusammenprall zwischen Ramses II. (1279-1213 v. Chr.) und dem Hethiter-König
Muwatallis, der als erster grösserer Konflikt der antiken Welt detailliert
geschildert wurde. Es existieren 13 ägyptische Darstellungen der Ereignisse,
und zwar sowohl auf Papyrus als auch auf den Wänden vieler Tempel Ramses'
II. in Ägypten und Nubien. Diese 13 Versionen wurden in drei literarischen
Formen festgehalten: Gedicht, Bericht und Reliefbeischriften.
Im Sommer seines 4. Regierungsjahres (um 1275 v. Chr.) unternahm Ramses II.
einen Feldzug in die Levante. Es gelang ihm, die ägyptische Kontrolle über
die Provinzen Kanaan und Upi zu festigen und Amurru ohne direkte
Konfrontation mit den Hethitern, Ägyptens Hauptkonkurrenten in der Region,
zurückzuerobern. Weil Ramses daraufhin den Fürsten von Amurru zur
Unterzeichnung eines Vasallenvertrages mit Ägypten zwang, soll Muwatallis
geschworen haben, die syrischen Gebiete zurückzugewinnen. Ramses seinerseits
wollte im Frühjahr 1274 v. Chr. seinen Erfolg zu einem weiteren Vordringen
nach Mittelsyrien und in die Gegend von Qadesch nutzen.
In seinem 2. Feldzug schickte Ramses eine Division von Elitesoldaten (die
Na'aruna) an der phönikischen Küste entlang nach Norden, während die
Hauptstreitmacht, aufgeteilt in vier Divisionen (mit den Namen Amun, Ra,
Ptah und Seth) durch Kanaan und Upi von Süden her auf Qadesch marschierte.
Unterdessen hatte Muwatallis ein Heer aufgestellt, das doppelt so gross wie
das ägyptische gewesen sein soll.
Während Ramses mit seinem Stab durch den wenige Kilometer südl. von Qadesch
gelegenen Wald von Labni vorrückte, berichteten zwei gefangengenommene
Beduinen, die Hethiter befänden sich erst in der Gegend von Aleppo, also
noch recht weit entfernt. Als sich herausstellte, dass Ramses sich hatte in
die irre führen lassen und die Hethiter ganz in der Nähe, auf dem anderen
Ufer des Orontes, lagerten, hatte er die 1. Division („Amun“) bereits bei
Qadesch das Lager aufschlagen lassen, während seine drei anderen Divisionen
noch ein gutes Stück entfernt waren. Bevor er irgend etwas unternehmen
konnte, um diese missliche Lage zu ändern, griffen die hethitischen
Streitwagen bereits an: Sie überraschten die 2. Division („Ra“), deren
Soldaten nordwärts flohen – auf Ramses und das ägyptischer Lager zu.
Auch wenn Ramses, wie es heisst, die vereinten Kräfte von „Amun“ und „Ra“ in
die Schlacht warf, um die Situation zu retten, ist doch unübersehbar, dass
die Ägypter an diesem Punkt wohl eine Niederlage erlitten hätten, wäre nicht
die Eingreiftruppe der Na`aruna gerade noch rechtzeitig erschienen. Den
Ägyptern gelang es, sich neu zu gruppieren und die hethitischen
Streitwageneinheiten zurückzudrängen. Inzwischen hatten auch die Divisionen
„Ptah“ und „Seth“ aufgeschlossen. Am nächsten Morgen brandete die Schlacht
erneut auf, doch schliesslich kam es zu einem militärischen Patt. Im darauf
folgenden Austausch von Abgesandten weigerte sich Ramses Il. (anders als
sein Vater Sethos I.), einen Vertrag abzuschliessen, und kehrte nach Ägypten
zurück, ohne die Frage der Kontrolle über Amurru gelöst zu haben. Zudem
brachten die Hethiter gleich nach seinem Abzug Amurru und Upi unter ihre
Herrschaft und schoben so die ägyptische Grenze bis an die Grenzen von
Kanaan zurück.
Trotz der euphemistischen Schilderungen der Schlacht durch Ramses II. musste
der Pharao schliesslich mit dem neuen König des Hethiterreiches, Hattusilis
III., 1259 v. Chr. einen Vertrag schliessen, um eine gemeinsame Front gegen
die wachsende Bedrohung durch die Assyrer unter Salmanassar I. (1263-1234 v.
Chr.) aufbauen zu können. |