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Die enge Verbindung
zwischen dem König und seiner Residenz gipfelte im späten Neuen Reich
(1550-1069 v. Chr.) in der Bedeutungserweiterung von per-aa („grosses
Haus“): Hatte der Begriff bis dahin nur den Königs-Palast bezeichnet, so
stand er nun für den König selbst. Aus dieser Bezeichnung entwickelte sich
schliesslich der uns vertraute „Pharao“.
Der Begriff „Palast“ wird im allgemeinen für alle grossen Gebäude gebraucht,
in denen der König oder seine engsten Familienangehörigen wohnten;
archäologische und schriftliche Zeugnisse legen indes nahe, dass die
Situation nicht ganz so einfach war. Es gab viele verschiedene Arten von
Gebäuden, die einen Bezug zur ägyptischen Königsfamilie hatten und die sich
hauptsächlich nach ihrer besonderen Funktion und Nutzungsdauer
unterschieden. Da gab es die den Totentempeln des Neuen Reiches wie dem
Ramesseum oder Medinet Habu angeschlossenen Kult-Paläste (wobei derjenige
von Medinet Habu am besten erhalten ist), und es gab riesige
Zeremonialbauten wie den Grossen Palast in el-Amarna und den Palast von
Sethos I. in Qantir, die mehr für den Empfang ausländischer Gäste und als
Kultbühne für das Königszeremoniell gedacht waren als für die tatsächliche
Unterbringung des Pharaos und seines Gefolges. Relativ wenige der erhaltenen
Paläste sehen tatsächlich wie Residenzen aus; eine grosse Villa gegenüber
dem Grossen Palast in el-Amarna wurde von den Ausgräbern jedoch als
„Königshaus“ identifiziert, das dem Pharao und der Königsfamilie als
Wohn-Palast im Zentrum der Stadt gedient zu haben scheint. Eine
Ziegelplattform in Kom el-Abd im südwestlichen Theben wurde als Überrest
eines königlichen „Rasthauses“ gedeutet, das vielleicht während
Streitwagen-Manövern genutzt wurde.
Da Paläste hauptsächlich aus Lehmziegeln und Holz errichtet wurden, sind sie
nicht so gut erhalten wie die aus Stein erbauten Tempel aus gleicher Zeit.
Andererseits wurden sie nicht so oft geplündert oder zerstört wie Tempel,
die man - schon in pharaonischer Zeit - zuweilen abriss, um die wertvollen
Steinblöcke anderweitig wiederzuverwenden. Zwar wurde ein Gebäude aus der
Regierungszeit Amenemhats III. (1855-1808 v. Chr., 12. Dynastie) in Bubastis
(Tell Basta) als Palast identifiziert, die meisten erhaltenen ägyptischen
Königsresidenzen stammen jedoch aus dem Neuen Reich, darunter jene von
Amenhotep III. (1390-1352 v. Chr.) in Malkata, von Echnaton (1352-1336 v.
Chr.) in el-Amarna und von Merenptah (1213-1203 v.Chr.) in Memphis.
Viele Paläste besassen ein „Erscheinungsfenster“: Hier zeigte sich der König
bei Audienzen, Zeremonien oder der Verleihung von Auszeichnungen an loyale
Hofbeamte. Im Fall der kleinen, den Totentempeln Ramses' Il. (1279-1213 v.
Chr.) und III. (1184-1153 v. Chr.) angeschlossenen Palast stellte das
Fenster eine sichtbare Schwelle zwischen dem weltlichen und göttlichen
Aspekt der Königsherrschaft dar, eine Möglichkeit, zwischen Palast und
Tempel, den beiden wichtigsten Institutionen der Zentralverwaltung des
pharaonischen pharaonischen Ägypten, hin und her zu wechseln.
Baustil und Dekoration der Paläste waren durchaus unterschiedlich, doch
verbanden sie in der Regel ausgedehnte Wohnbereiche (zuweilen mit
Zimmerfluchten, in denen man einen Harim zu erkennen meinte) mit
Audienzhallen, Höfen, Teichen und Räumlichkeiten, die als Bühne für
Kulthandlungen und Rituale gedient haben könnten. Erhaltene Fragmente von
Wandmalereien und Fayence-Kacheln lassen vermuten, dass Wände und Böden oft
mit Bildern aus der Königsikonographie, so z.B. Darstellungen der Neunbogen
und fremdländischer Gefangener, geschmückt waren, aber auch mit idyllischen
Szenen von Vogelschwärmen im Papyrusdickicht.
Der komplexeste erhaltene Grundriss eines Palastes aus dem Neuen Reich
dürfte jener des Grossen Palastes im Zentrum von el-Amarna sein, der über
eine Brücke mit dem kleineren „Königshaus“ auf der anderen Seite der
Hauptstrasse verbunden war. Die grossen Höfe und Säulenhallen lassen darauf
schliessen, dass diese Anlage eine ganz andere Funktion hatte als die den
ramessidischen Totentempeln angeschlossenen Paläste; es wurde sogar geltend
gemacht, beim Grossen Palast habe es sich in Wirklichkeit um einen
Aton-Tempel gehandelt. Der aus wesentlich späterer Zeit stammende und von
Flinders Petrie ausgegrabene „Palast des Apries“ ist ebenso schwer zu
deuten; sein massives, in Zellenbauweise errichtetes Ziegelfundament könnte
ein Hinweis darauf sein, dass er eher als Zitadelle oder Festung denn als
Palast diente. |