|
Eines der wesentlichsten
Elemente der ägyptischen Privatgräber während der gesamten Pharaonen- und
griech-röm. Zeit. Meist befand er sich an einem zugänglichen Ort wie der
Kultkapelle, so dass Totenpriester oder Angehörige des Verstorbenen
tatsächlich Opfergaben darauf niederlegen konnten.
Die Hieroglyphe für das altägyptische Wort hetep (Grundbedeutung: „Opfer“)
zeigt eine geflochtene Matte mit einem Brotlaib darauf und spiegelt damit
zweifellos die elementarste Form der Opferdarbringung. Dieses einfache Bild
diente nicht nur als Metapher für den eigentlichen Akt des Opferns, sondern
wurde auch zur typischen Form der Opferplatte, auf der Opfergaben seit dem
Beginn der Pharaonenzeit niedergelegt wurden. Die Oberflächen von
Opfertischen waren häufig mit Brotlaiben, zum Braten vorbereiteten Enten und
Kultgefässen verziert, damit die in den Stein geschnittenen Abbilder - meist
ergänzt durch eine zusätzlich eingeritzte hieroglyphische Opferformel und
durch Opferlisten - als magischer Ersatz für die tatsächlichen Speiseopfer
dienen konnten. Oft waren Becher, Rillen oder Rinnen in die Oberfläche
eingelassen, um Flüssigkeiten wie Wasser, Bier oder Wein aufzunehmen.
Die sog. Seelenhäuser über den Grubengräbern verhältnismässig armer Leute
der 1. Zwischenzeit und des Mittleren Reiches (2181-1650 v. Chr.) waren im
wesentlichen kunstvoll ausgeführte Opfertische. Flinders Petrie, der in
Rifeh eine ganze Reihe solcher „Seelenhäuser“ ausgrub, gelang es, ihre
Fntwicklung von einfachen tönernen Opferplatten (die die Opfertische aus
Stein ersetzen sollten) bis zu den aufwendigeren Exemplaren -
Wohnhausmodellen, in deren Vorhöfen Opfergaben liegen - nachzuvollziehen.
Auf diese Weise verband das „Seelenhaus“ treffend und ökonomisch die
Vorstellung vom Grab als dem symbolischen Zuhause des Verstorbenen mit der
Forderung nach Speiseopfern zur Versorgung des Ka. |