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verjüngender, nadelförmiger Steinpfeiler, dessen Spitze in Form eines
Pyramidions (altägyptisch benbenet) gestaltet ist. Die Form von Obelisken
wie Pyramidien geht letztlich auf den urtümlichen Benben-Stein im Tempel des
Sonnengottes in Heliopolis zurück. Auf diesen Stein sollen einst die
Strahlen der aufgehenden Sonne zuerst gefallen sein, und er galt bereits
spätestens in der 1. Dynastie (3100-2890 v. Chr.) als heilig. Das ägyptische
Wort für Obelisk (techen) lässt sich mit dem Wort weben („aufgehen“,
„glänzen“) in Verbindung bringen - ein weiterer Hinweis auf einen
Zusammenhang mit dem Sonnenkult.
Die Funktion des Obelisk als Sonnensymbol wurde oft zusätzlich durch die
Darstellung von Pavianen an der Obelisken-Basis betont: Ganz offensichtlich
wusste man, dass wilde Paviane die Sonne mit viel Geschrei und grosser
Aufregung begrüssen. Das Pyramidion an der Spitze eines jeden Obelisken war
in der Regel vergoldet, damit es die Sonnenstrahlen zurückwarf.
Der aufgemauerte Obelisk im Sonnenheiligtum des Niweserra (2445-2421 v.
Chr., 5. Dynastie) in Abu Gurab war ursprünglich einer der grössten
Obelisken, doch dürften seine wuchtigen Proportionen mehr an den
Benben-Stein erinnert haben als an die schlanken monolithischen Obelisken
späterer Epochen. Zunächst wurden Obelisken recht selten verwendet, nach und
nach fanden sie aber - von Heliopolis ausgehend - immer weitere Verbreitung.
Bereits im Alten Reich (2686-2181 v. Chr.) stellte man zuweilen kleine
Obelisken vor Privatgräbern auf, auch wenn sie hauptsächlich mit Tempeln in
Verbindung gebracht werden. Im Neuen Reich (1550-1069 v. Chr.) findet man
ebenfalls solche kleinen Grab-Obelisken, zwei sind im Grab des Wesirs
Rechmira (18. Dynastie) abgebildet. ln der 3. Zwischenzeit (1069-747 v.
Chr.) waren sie Teil der Dekoration von Uschebti-Kästen; in der Spätzeit
(747-332 v. Chr.) führte die Bedeutung, die sie in der Grabarchitektur
erlangt hatten, zur Herstellung von Amuletten in Obelisken-Form.
Im Neuen Reich wurden häufig grosse monolithische Obelisken paarweise vor
Tempelpylonen aufgestellt. Leider ist heute kein einziges Obelisken-Paar
mehr in situ vorhanden: Das letzte wurde getrennt, als Muhammed Ali 1819
einen der beiden Obelisken vor dem Luxor-Tempel der franz. Regierung zum
Geschenk machte. Heute schmückt er die Place de la Concorde in Paris.
Ein unfertiger Obelisk, vermutlich aus dem Neuen Reich, liegt noch immer in
den nördlichen Granitbrüchen von Assuan. Mit einer Länge von 41,75 m und
einem Gewicht von 1168 Tonnen wäre er der grösste, jemals von Menschen
geschaffene monolithische Obelisk geworden, hätte sich nicht noch während
der Arbeit im Steinbruch ein verhängnisvoller Riss gezeigt. Von Reginald
Engelbach durchgeführte Experimente ergaben, dass man eine Stunde brauchte,
um - mit Dolerithämmern - 5 mm Stein von einem 50 cm breiten Streifen quer
über den Obelisken zu entfernen. Transport und Aufrichten von Obelisken
waren allein schon eine organisatorische Meisterleistung, die selbst jenen
Schwierigkeiten bereitete, die sich in unserem 20. Jh. daran versuchten.
Dennoch wurden in alter Zeit offenkundig zahlreiche Obelisken geschaffen;
die Arbeit im Steinbruch und der Transport zweier riesiger Granit-Obelisken
der Hatschepsut (1473-1458 v. Chr.) ist in ihrem Tempel Deir el-Bahri
dargestellt, die Monumente selbst sind noch immer im Amun-Tempel von Karnak
zu sehen.
Obelisken wurden rasch in anderen Kultur ausserhalb Ägyptens beliebt. Die
Kanaanäer kopierten sie, und der assyrische König Assurbanipal (669-627 v.
Chr.) soll nach seiner Invasion im Jahr 669 v. Chr. zwei bronzebeschlagene
Exemplare aus Theben abtransportiert haben. Später liessen Ptolermäer und
Römer zahlreiche Obelisken fortschaffen, mit der Folge, dass Rom heute
weltweit die meisten Obelisken besitzt, darunter den grössten, den sog.
Lateran-Obelisken. In der Neuzeit wurden in vielen Grossstädten überall auf
der Welt Obelisken wiedererrichtet, so z. B. in London, Paris und New York. |