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Altes Ägypten, Pharaonen
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Nut

Himmelgöttin, deren Körper das Himmelsgewölbe symbolisierte. Nach der Weltschöfpungslehre von Heliopolis war sie die Tochter des Schu, die Schwester-Gemahlin des Geb und die Mutter von Osiris, Isis, Seth und Nephthys. Meist hatte sie Menschengestalt, doch konnte sie in seltenen Fällen auch als Kuh dargestellt werden; dies führte gelegentlich zu Verwechslungen mit einer anderen Himmelsgöttin, Hathor, die ebenfalls als Kuh dargestellt wurde. Der griechische Schriftsteller Plutarch nennt Apollon (die griechische Entsprechung des Horus) als weiteren Spross der nut – in einer Geschichte, die schildert, wie der Sonnengott Helios (Ra) Rhea (Nut) mit einem Fluch belegte, der es ihr verwehrte, an irgendeinem der 360 Tage des Kalenders zu gebären. Die Geburt der fünf Kinder war nur durch das Eingreifen des Hermes (Thot) möglich, der fünf zusätzliche Tage einschob. Dieser Mythos wurde herangezogen, um die fünf Zusatztage im ägyptischen Kalender, die sogenannten Epagomenen, zu erklären.
Man stellte sich vor, dass der vornübergebeute Leib der auf Zehen und Fingerspitzen gestützten Göttin sich über der Erde wölbe, das Haupt im Westen, der Unterleib im Osten. Allabendlich verschlang sie die untergehende Sonne, Ra, und jeden Morgen gebar sie sie aufs neue. Darstellungen dieser Szene finden sich häufig an den Decken von Tempeln, aber auch in den Kénigsgräbern im Tal der Könige, wo sie an den Wänden von der Nachtfahrt der Sonne durch die Unterwelt ergänzt werden. Diese beiden Versionen des nächtlichen Sonnenlaufs wurden nicht als widersprüchlich angesehen. Der sternenbedeckte Leib der Nut symbolisierte auch den Lauf der Gestirne, zudem dürfte sie ein bestimmtes Sternbild personifiziert haben, wahrscheinlich eines, das nahe am Himmelsäquator lag.
Als Göttin, die der Sonne jeden Tag neues Leben schenkte, war sie fraglos auch eine geeignete Totengottheit, und in den Pyramidentexten heisst es mehrmals, sie „umschliesst den Leib des Königs“. Ein anderer Spruch lautet: „O meine Mutter Nut, breite dich über mich, damit ich zu den unvergänglichen Sternen versetzt werde und niemals sterbe.“ Eine Version dieses Gebets findet sich auf einem der goldenen Schreine Tutanchamuns (1330-1327 v. Chr.). Solche Vorstellungen führten dazu, dass Nut mit dem Deckel des Sarges gleichgesetzt wurde; daneben findet man in Alten Reichs-Texten (2080-2181 v. Chr.) die Bezeichnung mwt („Mutter“) für den Sargkasten. Ab dem Neuen Reich (1550-1069 v. Chr.) wurde Nut häufig auf der Innenseite von Sarg- und Sarkophagdeckeln abgebildet, wo sie ihren Leib über den des Verstorbenen wölbt. Damit war der Tote in den Mutterleib zurückgekehrt, um wiedergeboren zu werden, und vollzog gleichzeitig die Fahrt des Sonnengottes zwischen Himmel und Erde nach.
Lange Zeit glaubte man, Nut habe die Anregung zu den Salblöffeln vom Typus „Schwimmerin“ des Neuen Reiches gegeben: Sie sind als schwimmende nackte Frau gestaltet, die oft vor sich auf den ausgestreckten Armen eine Gans hält. Heute gelten diese Artefakte als Rebusse für das göttliche Paar Nut und Geb, die bei der Grabausstattung und den Totenritualen wohl eine grössere Rolle gespielt haben dürften, als bisher angenommen wurde.


 

 

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