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Hauptgemahlin von Pharao
Echnaton (1352-1336 v. Chr., 18.Dynastie) in der „Amarnazeit“. Vielleicht
war sie die Tochter des Aja, eines der bedeutendsten Beamten Echnatons, der
Tutanchamun (1336-1327 v. Chr.) auf dem Thron folgte und von 1327-1323
regierte. In diesem Fall wäre sie möglicherweise eine Kusine Echnatons
gewesen. Sie gebar ihrem Gatten sechs Töchter, ein männlicher Nachkomme ist
nicht erwähnt. Den Prinzessinnen wird in Tempel- und Palastreliefs in der
neuen Hauptstadt el-Amarna eine aussergewöhnliche Bedeutung zugesprochen:
Oft stehen sie beim Opfer an den Aton gleich hinter König und Königin, oder
sie spielen - in Szenen vom ungewohnter Intimität - auf dem Schoss des
Königspaares.
lm 6. Regierungsjahr liess Echnaton einen Aton-Tempel erbauen, der im
Zusammenhang mir seinem Sedfest gestanden haben dürfte; überraschenderweise
beherrschen Bilder der Nofretete die Reliefs und Statuen, die die Wände
schmücken. Sie erscheint ständig in Szenen, die sie -gemeinsam mit dem König
beim Kultvollzug zeigen, wobei sie oft eine nur ihr eigene Krone trägt. Ein
von einem Tempel aus el-Amarna stammender und in Hermopolis Magna
wiederverwendeter Talatat-Block zeigt sie in der traditionellen Haltung des
Pharaos beim Erschlagen der Feinde. Selbst gemessen an den königlichen
Frauen der 18. Dynastie, zu denen so einflussreiche Persönlichkeiten wie
Ahhotep (um 1560 v. Chr.) und Hatschepsut (1473-1458 v. Chr.) gehörten,
scheint Nofretete ungewöhnlich grosse Macht und Einfluss erlangt zu haben.
Vielleicht konnte sie auf dem aufbauen, was ihre Vorgängerin, Königin Teje,
erreicht hatte, die ihren Gemahl Amenhotep III. (1390-1352 v. Chr.)
überlebte und offenbar sogar den neuen Königshof in el-Amarna besuchte.
In der Werkstatt des Bildhauers Thutmosis in el-Amarna entdeckte der
deutsche Ausgräber Ludwig Borchardt die berühmte bemalte Kalksteinbüste der
Nofretete. Die Umstände der späteren Ausfuhr in das Berliner Museum waren
damals jedoch nicht unumstritten.
lm 12. Regierungsjahr Echnatons trat Nofretete ziemlich in den Hintergrund;
ihren Platz hatten offenbar eine andere Königin namens Kija und wohl auch
eine ihrer Töchter, Meritaten, eingenommen. Wahrscheinlich starb Nofretete
im 14. Regierungsjahr; allerdings gab es auch Vermutungen, sie selbst könnte
die Rolle einer Mitregentin übernommen haben, um als Seimenchkara (dessen
zweiten Namen, Neferneferuaten, sie ebenfalls führte) die Nachfolge ihres
Gemahls anzutreten. Wie in vielen anderen die Amarnazeit betreffenden
Fragen, gestattet die unzulängliche Belegsituation weder eine Bestätigung
noch eine völlige Verwerfung dieser Theorie. Es spricht jedoch einiges
dafür, dass es sich bei dem Leichnam eines jungen Mannes, der mit
verschiedenen Gegenständen der königlichen Grabausstattung der Amarnazeit
(von denen einige ursprünglich für die Königinnen Teje und Kija vorgesehen
waren) in dem rätselhaften Grab KV55 im Tal der Könige bestattet wurde, um
Semenchkara handelt.
Königin Nofretete wurde wahrscheinlich zusammen mit ihrem Gemahl in dem
Königsgrab in einem Wadi östlich von el-Amarna bestattet, auch wenn dort
keine Spuren von Königsmumien erhalten sind und die Wanddekoration nur vom
Begräbnis der Prinzessin Meketaten zeugt. |