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Griechische Siedlung am
kanopischen Nilarm im West-Delta, nur etwa 16 km von Sais entfernt. Sais war
die Hauptstadt der 26. Dynastie, unter der Naukratis neu organisiert wurde.
Der heutige Name der Stadt selbst lautet Kom Giaeif, der antike Name scheint
indes in dem Namen des nahe gelegenen Dorfes el-Niqrasch erhalten zu sein.
Dem griech. Historiker Herodot zufolge erhielten die Griechen den Ort von
Amasis (570-526 v. Chr.) zusammen mit einem Monopol auf den Seehandel nach
Ägypten zugesprochen. Allerdings ist es wahrscheinlich, dass Amasis einfach
eine bestehende Ansiedlung von Ausländern neu organisierte und ihnen neue
Handelsprivilegien verlieh. Aus Funden wie korinthischer Keramik des sog.
Übergangstils geht hervor, dass die griech. Siedlung an diesem Ort etwa auf
das Jahr 630 v. Chr. zurückgeht. Steuer- und Zolleinnahmen gingen an den
Tempel der Neith in Sais.
Die ersten Griechen in Naukratis waren offenbar Korinther, den grössten
Einfluss in der Saitenzeit erlangten jedoch - neben einigen anderen Gruppen
- die Milesier. Diese verschiedenen griechischen Gemeinschaften errichteten
sich mit dem Hellenion einen gemeinsamen heiligen Bezirk. Es gab mehrere
Tempel, die verschiedenen Gottheiten geweiht waren, u. a. der Aphrodite von
Chios, der Hera von Samos (deren Name wir von Votivkeramik kennen) und dem
Apollon von Milet.
Bei der Ausgrabung der Stadt durch Flinders Petrie in den Jahren 1884-85 war
sie bereits in schlechtem Zustand. Später wurde sie von F. Ll. Griffith und
D. G. Hogart sowie - in den 80er Jahren des 20. Jh. - von einem
amerikanischen Archäologenteam untersucht. Im südlichen Teil der Stadt
entdeckte Petrie eine Fayence-Werkstätte, in der so typisch ägytische Dinge
wie Skarabäen, aber auch griech. und ägyptisierende Erzeugnisse hergestellt
wurden. Belege für die Herstellung von Keramik fand man in Naukratis
ebenfalls.
Silber- und Bronzemünzen - die einzigen Münzen, die aus dem pharaonischen
Ägypten bekannt sind - wurden in Naukratis geprägt, und wahrscheinlich sind
anderswo in der griechischen Welt geprägte Münzen über diese bedeutende
Siedlung nach Ägypten gelangt. Unter den Ptolemäern verlor Naukratis
gegenüber Alexandria an Bedeutung. |