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Altes Ägypten, Pharaonen
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Mundöffnungsritual

Ritual, mit dem der Verstorbene und seine Grabstatuen wiederbelebt werden sollten; seine „ausführliche Version“ dürfte mehrere Rituale in sich vereinigen. Die meisten Belege sind uns aus dem Neuen Reich (1530-1069 v. Chr.) erhalten, und zwar in Form von Totenbuch-Vignetten und Grabmalereien. Im Alten Reich (2686-2181 v. Chr.) gab es eine praktisch identische Zeremonie, die als „Opferritual“ bekannt und in den Pyramidentexten enthalten ist (gewöhnlich Spruch 20 ff., der in der Sargkammer aufgezeichnet wurde). Wahrscheinlich wurde damals das Ritual an Statuen des Königs im Taltempel seines Pyramidenbezirks vollzogen.
Im Neuen Reich (1550-1069 v. Chr.) umfasste die Zeremonie 75 Einzelschritte; die älteste vollständige Schilderung geben die Szenen im Grab des Wesirs Rechmira. Das Ritual wurde normalerweise vom Sohn und Erben des Verstorbenen als letzter Akt der Pietät vollzogen. Wo es um die Thronnachfolge ging, diente es zuweilen zur Legitimierung des Nachfolgers, so etwa für Fall des Aja (1327-1323 v. Chr.): Im Grab des Tutanchamun (1336-1327 v. Chr) sehen wir ihn in der Tracht eines Sem-Priesters beim Vollzug des Mundöffnungsrituals am toten König.
Mumien und Statuen, die dieses Ritual durchliefen, wurden zu Gefässen für den Ka des Verstorbenen. Es konnte in einer ganzen Reihe von Orten vollzogen werden, so im „Goldhaus“ selbst (d. h. in der Sargkammer) oder auch in den Werkstätten des Bildhauers oder Balsamierers. Neue Reichs-Papyri zeigen den Sarg bei der Zeremonie oft aufrecht vor dem Priester oder dem Erben stehen. Ab der 25. Dynastie (747-656 v. Chr.) fällt ein vergrössertes Fussteil auf, das vielleicht helfen sollte, den Sarg während der gesamten Zeremonie in dieser Position zu halten.
Das Mundöffnungsritual war wohldurchdacht. Es wurden Reinigungen, Räucherungen, Salbungen und Beschwörungen vorgenommen und die Mumie an mehreren Stellen mit verschiedenen Geräten berührt. Auf diese Weise sollte der Verstorbene erneut Macht über seine Sinne erhalten - über seinen Mund, damit er wieder essen und sprechen konnte, aber auch über Augen, Ohren, Nase und andere Körperteile. Eines der wichtigsten Geräte, die dazu verwendet wurden, war der Pesesch-kef, ein ursprünglich aus Feuerstein hergestelltes Fischschwanzmesser. Die vielen schönen Exemplare, die man bereits in prädynastischen Gräbern der Naqada-Zeit (um 4000-3300 v. Chr.) fand, dürfen wohl als Hinweis darauf gelten, dass es eine ähnliche Zeremonie schon lange vor der Zeit gab, aus der uns die ersten Belege für andere Bestandteile des ägyptischen Bestattungsrituals vorliegen. Zu den verwendeten Gerätschaften gehörten auch die Netjeri-Klingen, die meist aus Meteoreisen, gelegentlich aber auch aus anderen Metallen gefertigt waren. Ausserdem wurde zuweilen der rechte Schenkel eines eigens geschlachteten Ochsen an die Mumie oder Statue gehalten, vielleicht in dem Bemühen, die dem Ochsen innewohnende Kraft weiterzugeben.


 

 

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