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Das Reich von Mitanni war
einer der mächtigsten Rivalen Ägyptens in Vorderasien. Der neue Staat
bildete sich gegen Ende des 16. Jh. v. Chr. im Land zwischen Euphrat und
Tigris heraus und wurde um 1370 v. Chr. von Hethitern und Assyrern
zerschlagen, nachdem er sich ihnen bis dahin als ebenbürtig erwiesen hatte.
Die Hauptstadt von Mitanni war Waschukkanni; sie konnte bisher nicht
lokalisiert werden, doch vermutet man, sie könnte mit Tell el-Facharijeh in
der Türkei identisch sein. Die Ägypter kannten das Land wahrscheinlich als
Naharina, während die Assyrer es Chanigalbat nannten und die Hethiter „das
Land der Hurriter“. Die Namen der Herrscher deuten auf deren indogermanische
Abstammung, doch die Masse der Bevölkerung waren Hurriter - ein Volk, dessen
Sprache mit keiner der anderen grossen Sprachgruppen verwandt ist. Dieses
Volk scheint sich während des 3. Jahrtausends v. Chr. rund um das Kaspische
Meer ausgebildet zu haben und allmählich südwärts nach Syrien gewandert zu
sein.
Die Feldzüge Thutmosis' III. (1479-1425 v. Chr.) führten ihn über die
Vasallenstädte in Syrien hinaus in das Herzland Von Mitanni hinein. Zur Zeit
Thutmosis` lV. (1400-1390 v. Chr.) fanden diplomatische Heiraten zwischen
den beiden Ländern statt, und mitannische Prinzessinnen gelangten in den
ägyptischen Harim. Solche Bündnisse sollten vermutlich der Bedrohung durch
die Hethiter entgegenwirken. Freundschaftliche Beziehungen zwischen Ägypten
und Mitanni belegt die Tatsache, dass bei zwei Gelegenheiten Kultstatuen der
Göttin Ischtar (so der mesopotamische Name für Astarte) aus Ninive nach
Ägypten gesandt wurden, wo sie helfen sollte, Amenhotep III. (1390-1352 v.
Chr.) von einer Krankheit zu heilen. Die Amarna-Briefe enthalten Hinweise
auf Mitanni aus dieser Zeit und aus der Regierungszeit von Echnaton
(1352-1336 v. Chr.). |