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Die Kenntnis der Masse
und Gewichte war für den reibungslosen Ablauf der ägyptischen Bürokratie von
grundlegender Bedeutung. Davon zeugen Grabszenen, die Schreiber beim
Erfassen der Getreideernten oder beim Viehzählen zeigen, und die
abgemessenen Lebensmittelzuteilungen und Kupfergewichte, die in Deir
el-Medina ausgegeben wurden, ebenso wie die Totenbuch-Vignetten vom Wiegen
des Herzens.
Die wichtigste Masseinheit war die Königselle (52,4 cm), die ungefähr der
Länge des Unterarms eines Mannes entsprach und mit einer bestimmten
Hieroglyphe geschrieben wurde. Die Königselle umfasste 7 Handbreiten zu 4
Fingern, also 28 Finger. Künstler benutzten im allgemeinen beim Entwurf
ihrer Zeichnungen ein Quadratnetz; bis zum Ende der 3. Zwischenzeit
(1069-747 v. Chr.) verwendeten sie dafür die „kleine Elle“ mit 6 Handbreiten
(44,9 cm), die in etwa der Länge vom Ellenbogen bis zur Daumenspitze
entsprach (üblicherweise 45 cm), ab der Saitenzeit (664-525 v. Chr.) dann
jedoch die Königselle. Während der persischen Besetzung fand zuweilen die
persische Königselle von 64,2 cm Verwendung; eine entsprechende Elle in
Abydus misst indes nur 63,85 cm.
Ein Doppelremen entsprach der Länge der Diagonale eines Quadrates mit einer
Seitenlänge von 1 Königselle (74,07 cm). Der Doppelremen, unterteilt in 40
kleinere Einheiten zu je 1,85 cm, war - neben dem ta (oder meh-ta) mit 100
Königsellen - die zur Landvermessung benutzte Masseinheit. Flächen mass man
in setjat (100 Ellen im Quadrat), später Aruren genannt.
Eine Reihe von Massstäben, darunter von Handwerkern und Landvermessern
verwendete Exemplare aus Holz, sind erhalten. Unser Wissen über die Elle
verdanken wir aber nicht so sehr den im Alltag gebräuchlichen Massstäben, die
beträchtlich variieren konnten, sondern den im Kult verwendeten Ellen aus
Stein, die in Tempeln deponiert oder bisweilen auch Beamten als Grabbeigabe
mitgeben wurden. Sie waren zudem mit anderen nützlichen Informationen, etwa
über die Höhe von Nilüberschwemmungen oder Angaben über Gaue, beschriftet,
was sie zu einer Art Kompendium machte. Zur Landvermessung wurde ein
geknotetes Seil verwendet; die Grenzen konnten mit Steinen markiert werden,
wie es im thebanischen Grab des Menna (um 1400 v. Chr.) zu sehen ist.
Auch Gewichte wurden allgemein verwendet. Zahlreiche Stein-, Keramik- und
Bronzegewichte sind erhalten; die frühesten, in Naqada ausgegrabenen,
stammen aus der prädynastischen Zeit (um 3500-3100 v. Chr.). In der
dynastischen Zeit sind viele Gewichte mit Inschriften versehen, andere haben
die Form von Stierköpfen, Rindern oder anderen Tieren. Das traditionelle
Gewicht war der deben, eine Gewichtseinheit von etwa 93,3 g, die nach der
12. Dynastie (1985-1795 v. Chr.) durch den qedet (koptisch kite) von 9-10 g
ergänzt wurde; der deben wurde auf das Gewicht von 10 kite festgelegt. Der
deben diente zum Abmessen von Kupfer, Silber oder Gold, der kite nur für
Silber oder Gold. Sie wurden als Wertmassstab für ein breites Spektrum von
nichtmetallischen Gütern herangezogen und bildeten so ein rudimentäres
System der Preisbestimmung in der nichtmonetären Gesellschaft der
Pharaonenzeit.
Auch Hohlmasse gab es, so den hin (etwa 0,47 l.). 10 hinw bildeten einen
heqat von etwa 4,77 l, und ein char mit 100 hinw entsprach 47,7 l. Der hin
konnte in so kleine Einheiten wie 1/32 unterteilt werden, aber auch in
Drittel, die man als chay bezeichnete. Schreiber beim Abmessen von Getreide
sind im Grab des Menna abgebildet. |