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Die Frage nach dem
Ausmass, in dem Masken in ägyptischen Kult- und Bestattungsritualen zum
Einsatz kamen, ist noch nicht zufriedenstellend geklärt. So stellen
Malereien, Reliefs und Skulpturen während der gesamten Pharaonenzeit immer
wieder menschengestaltige Figuren mit den Köpfen verschiedenster Geschöpfe
von Schakalen bis zu Falken dar. Wir wissen jedoch nicht, ob diese
Darstellungen immer physische Manifestationen der Götter selbst sein sollten
oder ob es sich, wie in einigen Fällen durchaus denkbar, um maskierte
Priester handelt, die stellvertretend für die entsprechende Gottheit
agieren. Einige der Prunk-Paletten der späten prädynastischen und der
frühdynastischen Zeit (um 3300-2900 v. Chr.) sind mit vogel- oder
tierköpfigen Menschengestalten geschmückt, die bisweilen als „maskiert“
beschrieben werden, dabei sind sie möglicherweise genausowenig „maskiert“
wie entsprechende Figuren in Darstellungen aus der Pharaonenzeit.
Untersuchungen zum Gebrauch von Masken durch Priester werden dadurch
erschwert, dass nur zwei Beispiele erhalten sind. lm Römer- und
Pelizaeus-Museum, Hildesheim, befindet sich eine bemalte Tonbüste des Anubis
unbekannter Herkunft, fast 50 cm hoch und ins 5. oder 6. Jh. v. Chr.
datiert. Unter der Schnauze ist das Keramikmaterial mit zwei Öffnungen
versehen, vermutlich, damit der Priester hinausblicken konnte; in die beiden
Aussparungen im unteren Teil der „Maske“ passten die Schultern des Trägers.
Ein Relief im ptolemäischen Hathor-Tempel von Dendera zeigt einen Priester,
der anscheinend eine ähnliche schakalköpfige Maske trägt, wobei sein eigener
Kopf innerhalb des Schakalkopf-Umrisses sichtbar ist.
In einem Haus in Kahun (el-Lahun) grub Flinders Petrie, eine Löwenkopf-Maske
aus Kartonage mit Augenöffnungen aus, die es ihrem Träger vermutlich
gestattete, die Identität des Dämonen Aha anzunehmen. Diese Maske aus dem
Mittleren Reich (2055-1650 v. Chr.) befindet sich heute im Manchester
Museum. Zu den ungevvöhnlichen Stücken aus dem späten Mittleren Reich, die
in Schachtgrab 5 unter dem Ramesseum gefunden wurden, zählt eine Holzfigur,
die entweder eine löwenköpfige Göttin darstellt oder eine Frau mit einer
entsprechenden Maske, die auf irgendeine Weise mit magischen Praktiken
verbunden war. Möglicherweise waren viele andere Masken aus organischen
Materialien wie Kartonage, Leinen oder Leder hergestellt und haben, selbst
im ägyptischen Klima, nicht unbedingt archäologische Spuren hinterlassen.
Die Verwendung von Toten-Masken ist viel besser dokumentiert; sie reichen
von den berühmten Gold-Masken von Tutanchamun (1336-1327 v. Chr.) und
Psusennes I. (1039-991 v. Chr.) bis zu den bescheideneren Masken aus
bemalter Kartonage, die man in der 1. Zwischenzeit (2181-2055 v. Chr.)
eingeführt hatte, um die Identifizierung der mit Leinenbinden umwickelten
Mumien zu erleichtern. In Gebrauch waren diese Mumien-Masken aus Kartonage
in der 1. Zwischenzeit., im Mittleren Reich, in der 18. und 26. Dynastie
sowie in der griech.-römischen Zeit (332 v. Chr. - 395 n. Chr.), als bemalte
Stuckbüsten und die sog. „Fajjumporträts“ (die das Antlitz des Verstorbenen
in Enkaustik oder Tempera gemalt auf einem Holzbrett zeigen) neben die
traditionellen Masken aus Kartonage traten.
Die Vorläufer der Mumien-Masken stammen aus der 4. bis 6. Dyn. (2613-2181 v.
Chr.); dabei handelt es sich um dünne Gipsschichten, die entweder direkt auf
das Gesicht oder auf die Leinenbinden aufgebracht wurden, und sie erfüllten
vielleicht den gleichen Zweck wie die Ersatzköpfe der 4. Dynastie. Im
Totentempel des Teti (2345- 2323 v. Chr., 6. Dynastie) fand man einen
offenbar direkt vom Gesicht eines Leichnams genommenen Gipsabdruck, der
jedoch vermutlich aus griech.-röm. Zeit stammt. Die auf den ersten Blick
ähnlichen „Gips-Masken“, auf die man im Haus des Bildhauers Thutmosis in
el-Armarna stiess, waren wahrscheinlich keine Toten-Masken, sondern
„Bildhauermodelle“, die den Bildhauern helfen sollten, exakte Abbilder von
el-Amarnas führenden Persönlichkeiten zu schaffen. |