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Sakral verstandenes
Königtum und Göttlichkeit des Pharao waren Dreh- und Angelpunkt der
ägyptischen Gesellschaft und Religion. Zeugnisse aus Abydos, Naqada und
Saqqara legen nahe, dass die Grundstruktur der ägyptischen Verwaltung und
die Gleichsetzung des Königs mit dem Falkengott Horus schon zu Beginn der
ägyptischen Geschichte im wesentlichen festgelegt waren. In gewisser Weise
lässt sich die konkrete Ausprägung des Königsdogmas an der Entwicklung der
Königstitulatur ablesen, die Aufschluss gibt über das Verhältnis des
jeweiligen Königs zu den Göttern und über sein politisches Programm im
Rahmen dieses Königsdogmas.
Der Titel nesw biti (wörtl. „der zur Binse und zur Biene Gehörige“) wird
gewöhnlich mit „König von Ober- und Unterägypten“ übersetzt; eigentlich hat
er jedoch eine ganz andere und wesentlich vielschichtigere Bedeutung: Nesw
steht offenbar für den König in seiner unveränderlichen Göttlichkeit (ja
beinahe für die Institution des Königtums selbst), während biti sich auf den
Menschen als Träger der Königswürde beziehen könnte. Jeder König war damit
eine Vereinigung von Göttlichem und Sterblichem, von nesw und biti; und so
wie der lebende König mit Horus verbunden war, so wurden die toten Könige,
die königlichen Vorfahren mit Osiris gleichgesetzt.
lm Idealfall ging das Königtum vom Vater auf den Sohn über, und für
gewöhnlich lag jedem König daran, diese Vater-Sohn-Verbindung hervorzuheben.
In der Praxis konnte der Herrscher die Kontinuität des Königtums dadurch
demonstrieren, dass er für die Fertigstellung von Totentempel und Grab
seines Vorgängers sorgte und auf der politischen Ebene alles tat, um sich
als auserwählten Erben auszuweisen, dessen Recht zu herrschen auf seiner
göttlichen Abkunft basierte. Die Bemühungen bestimmter Könige, ihre
Legitimität durch die Darstellung ihrer göttlichen Geburt und der Verleihung
der Königswürde durch die Götter in Reliefs und Inschriften unanfechtbar
darzulegen, wurden fälschlicherweise zuweilen als „Propaganda“ gedeutet, die
das Ziel gehabt hätte, die Wahrheit zu verdrehen.
Es mögen zwar die Werke solch ungewöhnlicher Herrscher wie Königin
Hatschepsut (1473-1458 v. Chr.) auch in gewissem Masse politisch (und
weniger religiös) inspiriert gewesen sein, doch die meisten der erhaltenen
Darstellungen mit Bezug auf das Königtum gehören in den Kontext der Rolle
des Königs als Verfechter der Ordnung und Bezwinger des Chaos. Die Aufgabe
des Königs als Stellvertreter der Götter bestand darin, die ursprüngliche
Harmonie des Universums zu bewahren bzw. wiederherzustellen. Deshalb ging es
bei einem Grossteil der bildlichen Darstellungen in ägyptischen Tempeln,
Gräbern und Palästen viel mehr um dieses übergeordnete Ziel als um
persönliche Begebenheiten im Leben des Herrschers. So, wie es wichtig war,
die göttliche Geburt des Königs zu betonen, so sollten Feier und Darstellung
jedes Sedfests sicherstellen, dass der König noch imstande war, seine
rituelle Aufgabe zu erfüllen.
Der Begriff per-aa („grosses Haus“) - aus dem schliesslich, über das
Griechische, das Wort Pharao wurde - bezeichnete ursprünglich den Königshof
oder sogar den Staat selbst, in dem Sinne, dass das „grosse Haus“ die
Dachinstitution darstellte, die zuständig war für die Besteuerung der
kleineren „Häuser“ (perw) wie Tempelbesitz und private Landgüter. Seit der
späten 18. Dynastie wurde der Begriff dann auch für den König selbst
verwendet. |