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Altes Ägypten, Pharaonen
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Königstitulatur

Die vollständige Folge von Namen und Titeln eines jeden Pharaos besteht seit dem Mittleren Reich (2055-1650 v. Chr.) aus fünf Namen (der sog. fünffachen Königstitulatur). Die fünf Epitheta des Königs fassen in gewisser Weise ägyptische Vorstellungen vom Königtum zusammen, indem drei von ihnen seine Rolle als Gott betonen, während die beiden anderen der angenommenen Aufteilung Ägyptens in zwei Länder Rechnung tragen, die beide vom Pharao regiert werden.
Dem „Geburtsnamen“ (oder „Eigennamen“) wie z.B. Amenemhat oder Ramses wurde der Titel „Sohn des Ra“ vorangestellt. Er wurde in der Regel in Inschriften, die Namen und Titel des Königs nannten, als letzter aufgeführt, doch war er der einzige, den der Pharao schon bei der Geburt erhielt. Die anderen vier Namen - „Horus“, „Die beiden Herrinnen“, „Gold“ („Goldhorus“) und „Der zur Binse und Biene Gehörige“ - erhielt er erst bei seiner Thronbesteigung, und sie verraten zuweilen etwas über die Ideologie oder das Programm des betreffenden Königs.
Die frühesten Königsnamen sind im späten 4. Jahrtausend v. Chr. belegt. Diese einfachen „Horusnamen“, auf Tongefässe gemalt und in nur bruchstückhaft erhaltene Elfenbein- und Holzschildchen geritzt, bestanden aus einem Falken, der auf einer Palastfassade, einem Serech, mit dem Namen des betreffenden Königs hockte. Bis zum Ende der 1. Dynastie (3100-2890 v. Chr.) hatten sich bereits alle Elemente der vollständigen Königstitulatur ausser dem „Sohn des Ra“ (sa Ra) herausgebildet; allerdings traten sie zunächst oft als isolierte Symbole und Epitheta auf und nicht als vollentwickelte Namen. So findet sich der Titel „Der zur Binse und Biene Gehörige“ (nesw biti) zum ersten Mal in der Regierungszeit des Den (um 2950 v. Chr.), doch erst Adjb (um 2925 v. Chr.) verband den Titel mit einem zweiten Namen (Merpabia).
Zu zwei weiteren entscheidenden Entwicklungen in der Königstitulatur kam es während der 4. Dynastie: Huni (2637-2613 v. Chr.) führte die Kartusche um seinen nesw-biti-Namen ein, und Djedefra (2566-2558 v. Chr.) verwendete als erster den Titel „Sohn des Ra“. In der 11. Dynastie (2055-1985 v. Chr.) waren die beiden Namen, unter denen der König am bekanntesten war, zu den „Ringnahen“ geworden: der Thronname („Der zur Binse und Biene Gehörige“) und der Geburtsname („Sohn des Ra“). In religiöser Hinsicht bedeutete diese Veränderung, dass der König nicht mehr in erster Linie als Manifestation des Horus gesehen wurde, sondern als Herrscher über die beiden Länder und in seiner Beziehung zum Sonnengott.
Die Bedeutung der Königstitulatur in Hinblick auf die Legitimierung und Wahrung des Thronrechts eines jeden Königs wird sowohl an der offenkundigen Sorgfalt bei der Namenswahl deutlich als auch an den Bemühungen vieler Fremdherrscher Ägyptens, sich eine authentische Titulatur zuzulegen. So beauftragte z. B. Perserkönig Kambyses I. (525-522 v. Chr.) einen ägyptischen Priester und Arzt namens Wedjahorresnet, einen passenden Thronnamen für ihn zu finden.


 

 

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