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Viele medizinische und
magische Texte aus dem alten Ägypten berichten von Vorkehrungen, die Frauen
trafen, um schnelle Empfängnis, ungefährdete Schwangerschaft und
erfolgreiche Geburt sicherzustellen. Bis in die prädynastische Zeit zurück
reichen Funde von Kinder-Gräbern auf mehreren ägyptischen Friedhöfen, und
man hat versucht, die Kinder-Sterblichkeit auf der Grundlage des
Verhältnisses von Erwachsenen- und Kinder-Bestattungen sowie der
Untersuchung der menschlichen Überreste selbst zu schätzen. Zweifellos war
die Kinder-Sterblichkeit hoch; trotzdem waren die Familien mit
durchschnittlich wohl etwa fünf Kindern, die das Jugendalter erreichten,
relativ gross (wobei man vom frühen Tod von drei oder vier Nachkommen
ausgeht).
Zahlreiche erhaltene Reliefs, Malereien und Skulpturen zeigen Frauen beim
Stillen ihrer Säuglinge; berühmt ist die Darstellung aus dem Grab Thutmosis
III. im Tal der Könige mit der (in Gestalt eines Baumes abgebildeten) Göttin
Isis, die dem König die Brust reicht. Das Stillen des Königs durch seine
Mutter Isis oder durch Hathor war ein archtypisches Motiv der altägyptischen
Religion, das dann in christl. Zeit vielleicht das Bild der Madonna mit dem
Kind inspirierte. Eine Reihe von Zaubersprüchen sollte offenbar die
Produktion von Muttermilch anregen, und einem ähnlichen Zweck mögen auch die
Tongefässe gedient haben, die stillende Mütter darstellen und ab dem
Mittleren Reich (2055-1650 v. Chr.) erhalten sind. In der Oberschicht wurden
oft Ammen zur Betreuung der Säuglinge eingestellt, insbes. in der
Königsfamilie; die Stellung der „kgl. Amme“ war ganz offenkundig sehr
angesehen und sicherte der Betreffenden häufig die Darstellung im Grab ihres
königlichen Schützlings.
Spätestens ab dem Alten Reich (2686-2181 v. Chr.) trugen Jungen und Mädchen
bis zu einem Alter von etwa zehn, elf Jahren oft eine seitlich am Kopf
herabhängende Haarflechte, die sog. Jugendlocke, die sie als vorpubertär
auswies. Auch wurden Kinder und als Kinder dargestellte Gottheiten wie
Harpokrates stets mit einem Finger am Mund abgebildet. Nacktheit war -
zumindest nach Ausweis erhaltener Malereien und Reliefs aus der
Pharaonenzeit - ebenfalls für Kinder typisch. Aus solcher Grabkunst geht
auch hervor, dass Kinder aller Altersstufen viele Spiele spielten und
Sportarten betrieben, die von Tanzen und Ringen bis zu Ballspielen und
Wettläufen reichten. Einige Bälle sind erhalten; die Identifizierung von
Spielsachen gilt jedoch als strittig, da sie nicht leicht von religiösen und
magischen Gegenständen abzugrenzen sind. Eine „Puppe“ kann z. B. ebenso gut
eine erotische oder rituelle Bedeutung haben |