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Altes Ägypten, Pharaonen
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Keramik

Seit der prädynastischen Zeit (um 5500-3100 v. Chr.) war die Keramik eines der wichtigsten ägyptischen Artefakte, und sie stellt fraglos den grössten Teil der archäologischen Funde. Weil Keramik-Fragmente oder Scherben nahezu unzerstörbar sind, haben sich überall in Ägypten grosse Mengen von Keramik erhalten. Die Ägyptologen wissen jedoch erst seit relativ kurzer Zeit die Bedeutung von Keramik in der dynastischen Zeit zu würdigen, nachdem sie zuvor mehr auf schriftliche Quellen gebaut hatten.
Ägyptische Keramik lässt sich - nach der verwendeten Tonart - in zwei grosse Gruppen einteilen. Die erste Gruppe bilden die Niltonwaren („Nilware“), jene aus alluvialen Ablagerungen des Niltals hergestellten Gefässe, die aus dem Brand rotbraun gefärbt hervorgehen. Diese Gruppe macht den Grossteil der ägyptischen Keramik aus; Niltone wurden meist für grobe Gebrauchsware verwendet, doch kann Nilware auch, wie im Fall der „blau bemalten“ Keramik während des Neuen Reiches (1550-1069 v. Chr.), dekoriert sein. Die zweite Gruppe bilden die Mergeltongefässe. Sie wurden aus Tonen mit höherem Kalkgehalt hergestellt, die in Ägypten nur begrenzt vorhanden sind; das bekannteste Vorkommen liegt im Gebiet von Qena in Oberägypten. Mergelton wurde meist in technisch höher entwickelten Werkstätten verarbeitet und gewöhnlich für höherwertige Ware verwendet. Die Oberflächen wurden vor dem Brennen im Ofen oft mit einem Kiesel oder einem ähnlich glatten Gegenstand abgerieben, um die Porosität zu mindern. Dank dieses Verfahrens, der sog. Glättung, erhielten die Gefässe eine glänzende Oberfläche, bei der es sich also nicht um eine Glasur handelt, auch wenn sie manchmal fälschlicherweise so bezeichnet wird. Tatsächlich erfolgte ein Glasieren von Keramik (im Unterschied zur Fayence, die keine Tonware ist) erst in der Römerzeit.
Diese beiden Grundarten werden unterteilt entsprechend den ihnen zugesetzten Materialien (Bemischung oder „Magerung“ genannt) und natürlichen Verunreinigungen im Ton. Diese Unterteilungen werden von den einzelnen archäologischen Expeditionen vorgenommen, in der Regel jedoch mit Bezug auf ein international anerkanntes System für die Klassifizierung ägyptischer Keramik, das sog. Wiener System. Dies hat den Vorteil, dass Archäologen überall in Ägypten die Keramik-Beschreibungen ihrer Kollegen verstehen.
Prädynastische Keramik ist oft von erstaunlich hoher Qualität. Aus der Badari-Zeit stammen handgefertige (d. h. ohne Verwendung der Töpferscheibe hergestellte) Gefässe, die durch Polieren eine glänzende Oberfläche erhielten und so gebrannt wurden, dass der obere Teil schwarz, das übrige Gefäss rot war. Dies ist eine beachtliche technische Leistung und verlangte vom Töpfer grosses Können, v. a. weil diese Gefässe über offenem Feuer in der Art eines Lagerfeuers oder in noch sehr rudimentären Töpferöfen gebrannt worden sein dürften. Badari-Gefässe gehören zum Schönsten, was Ägypten jemals an Keramik hervorgebracht hat. Figürliche Bemalung kennen wir seit der Naqada-I-Zeit (um 4000-3500 v. Chr.), als Tiere, Muster, Boote und menschliche Figuren Tongefässe schmückten. Diese Art gegenständlicher Kunst auf Keramik-Gefässen stirbt in der dynastischen Zeit aus.
Die Keramik des Alten Reiches (2686-2181 v. Chr.) wurde noch von Hand und mit Hilfe eines Drehuntersatzes geformt; im späten Alten Reich bildete sich dann jedoch die echte Töpferscheibe heraus, die zum Formen von Tongefässen die Zentrifugalkraft nützte. Für dieses Verfahren bedurfte es einer feineren Tonzubereitung, die wiederum eine grössere Beherrschung des Brennvorgangs erforderlich machte. Der kaminartige Ofen mit Oberzug (bei dem das Feuer unter den Gefässen brannte und von diesen durch einen Rost getrennt war) dürfte in der dynastischen Epoche entwickelt worden sein, vielleicht ungefähr zu der Zeit, als der Einsatz der Töpferscheibe allgemein üblich wurde. Die ersten Töpferscheiben waren handgetrieben und mussten möglichst reibungsarm aufliegen, um ausreichenden Drehschwung zu entwickeln. Sie waren sehr einfach gestaltet: Sie bestanden aus zwei ineinander eingepassten Steinen, deren Auflageflächen stark poliert waren. Die bekanntere „Fussschubscheibe“ mit ihrem fussbetriebenen Schwungrad wurde wahrscheinlich in der Perser- oder Ptolemäerzeit, d. h. nach etwa 500 v. Chr., eingeführt.
Dank der Töpferscheibe liessen sich Gefässe schneller herstellen - gleichsam in einer einfachen Form von Massenfertigung-, doch daneben wurden bestimmte Gefässtypen weiterhin von Hand gefertigt. Brotmodel zur Herstellung von Brotlaiben, insbes. von Opferbroten, formte man weiterhin um einen als patrix bezeichneten Kern.
Keramik fand in vielen Bereichen Verwendung, in denen wir heute Plastik benutzen würden, und zusammen mit Korbwaren bildete sie die wichtigste Art von Behältnissen. Die unterschiedlichen Kombinationen von Tonmaterial, Technologie und Form gestatten es dem Archäologen, Keramik für die zeitliche Bestimmung zu nutzen, insbes. dort, wo keine anderen eindeutigen Datierungsgrundlagen vorhanden sind. Diese Beobachtung ermöglichte es Flinders Petrie, sein System der „Staffeldatierung“ für die Prädynastische Zeit zu entwickeln, mit der er eine relative Chronologie aufstellte, die mit der Entwicklung der Radiokarbondatierung in ein System absoluter Daten umgewandelt wurde.
Auch regionale Unterschiede und Handelsbeziehungen lassen sich durch Keramik verfolgen: Ist man mit ägyptischen Tonarten vertraut, kann man importierte Ware relativ leicht erkennen, v. a. mit Hilfe wissenschaftlicher Verfahren wie der petrographischen Analyse und der Neutronen-Aktivierungsanalyse. Jüngste Entwicklungen in der wissenschaftlichen Archäologie erleichtern zudem die Untersuchung der Inhalte von Tongefässen, was Aufschluss über die Verwendung bestimmter Gefässe gibt. Ausserdem ist das Studium der technologischen Entwicklung in der Töpferei und ihr Verhältnis zu anderen Handwerken an sich aufschlussreich.
Die altägyptische Keramik ist ein sich rasch entwickelndes Forschungsgebiet der neueren Ägyptologie und eines, das bestehende Ansichten über die ägyptische Gesellschaft und Wirtschaft durch Erkenntnisse über bisher nicht dokumentierte Aspekte der ägyptischen Kultur beträchtlich verändern kann.


 

 

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