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Die frühesten ägyptischen
Kalender basierten auf der Beobachtung des Mondumlaufes und der
alljährlichen Wiederkehr der Nilüberschwemmung, die mit Nilmessern gemessen
wurde. Auf dieser Grundlage unterteilten die Ägypter das Jahr in zwölf
Monate und drei Jahreszeiten: Achet (die Überschwemmung selbst), Peret (das
Frühjahr, wenn das Getreide zu spriessen begann) und Schemu (die Erntezeit).
Jede Jahreszeit bestand aus vier Monaten mit 30 Tagen, und jeder Monat hatte
drei Zehn-Tage-Wochen. Dies war - verglichen mit dem modernen europäischen
Kalender mit seinen ungleich langen Monaten - ein bewundernswert einfaches
System, das zur Zeit der Revolution in Frankreich für kurze Zeit wieder
aufgegriffen wurde.
Die Einteilung von Tag und Nacht in jeweils zwölf Stunden scheint von den
Ägyptern eingeführt worden zu sein, wahrscheinlich einfach analog zu den
zwölf Monaten des Jahres; die Unterteilung der Stunde in 60 Minuten geht
jedoch auf die Babylonier zurück. Die kleinste Zeiteinheit im alten Agypten
war die at, meist als „Augenblick“ übersetzt und - wie dieser - in ihrer
Dauer nicht definiert.
Als Jahresanfang galt den Ägyptern der 19. Juli (nach dem späteren
julianischen Kalender), der Tag des heliakischen Aufgangs des Hundssterns
Sirius. Auf erhaltene schriftliche Beobachtungen dieses Ereignisses stützt
sich die traditionelle Chronologie Ägyptens. Doch trotz der Schaltung von
fünf Zusatztagen, den sog. Epagomenen (die den Geburtstagen der Gottheiten
Osiris, Isis, Horus, Seth und Nephthys entsprachen), entwickelte sich nach
und nach eine Diskrepanz zwischen dem ägyptischen Sonnenjahr mit 365 Tagen
und dem realen Sonnenjahr, das etwa sechs Stunden länger war. Dies
bedeutete, dass das Wandel- und das Naturjahr nur alle 1460 Jahre
übereinstimmten; dies scheint allerdings erst in der Ptolemäerzeit als
grundlegender Mangel empfunden worden zu sein, als dann das „Schaltjahr“ im
alexandrinischen Kalender eingeführt wurde, der später die Basis für den
julianischen und den gregorianischen Kalender bildete.
Neben dem bürgerlichen Kalender gab es auch eigene religiöse Kalender; diese
orientierten sich an Festen und Zeremonien, die mit bestimmten Gottheiten
und Tempeln verknüpft waren (z. B. das Opetfest in Theben, das im zweiten
Monat der Achet Jahreszeit gefeiert wurde). Die Priester berechneten die
Daten dieser Feste oft nach dem Mondmonat mit etwa 29,5 Tagen und nicht nach
dem bürgerlichen Kalender, denn viele Feste mussten mit bestimmten Phasen
des landwirtschaftlichen oder astronomischen Kreislaufes übereinstimmen. |