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Obwohl die Jagd in der
Pharaonenzeit als Mittel zur Nahrungsbeschaffung relativ unbedeutend war,
hatte sie doch grosse rituelle und religiöse Bedeutung. Zwei grundlegende
Jagd-Arten werden während der gesamten Pharaonenzeit auf Grab- und
Tempelwänden dargestellt: „Vogel- und Fischfang“ und „Grosswild-Jagd“. Bei
ersterer handelt es sich im wesentlichen um Fischerei und Vogel-Jagd in
kleinem Massstab an den Ufern des Nils, während bei letzterer Wild und Löwen
in der Wüste bzw. Wildstiere, Krokodile und Nilpferde in den Sümpfen gejagt
wurden. Diese beide Kategorien entsprechen etwa der privaten bzw. kgl.
Domäne; so sind Szenen des „Vogel- und Fischfangs in den Sümpfen“ üblicher
Bestandteil der Dekoration von Privatgräbern, aber nur in einem einzigen
Königsgrab zu finden (in dem des Königs Aja im Tal der Könige, KV23).
Im Neuen Reich (1550-1069 v. Chr.) gehörten dann Darstellungen von
Grosstaten des Pharaos bei der Jagd auf Tiere wie Wildstiere, Löwen,
Elefanten und Nashörner untrennbar zum Nimbus des ägyptischen Königtums. Die
Inschriften zweier Serien von Gedenk-Skarabäen des Amenhotep III. (1390-1352
v. Chr.) schildern detailliert seine Jagd auf Wildstiere und Löwen, und auf
dem ersten Pylon des Totentempels Ramses' III. (1184-1153 v. Chr.) in
Medinet Habu sind der König und seine Soldaten u. a. bei der Wildstier-Jagd
zu sehen. Solche königlichen Jagden scheinen innerhalb eines eigens
eingehegten Geländes stattgefunden zu haben, so dass den Tieren keine
Fluchtmöglichkeit blieb. Bei der Ausgrabung der Neuen Reichs-Siedlung im
nubischen Soleb fand man Spuren von Postenlöchern - möglicherweise Hinweise
auf die Existenz einer Einfriedung, die ein Jagd-Gebiet in der Grösse von
600 x 300 m umschloss. Auch in einigen Privatgräbern finden sich Szenen, die
den Verstorbenen bei der Jagd auf Wüstentiere zeigen, was dem Künstler die
seltene Gelegenheit gab, die typischen Savannen- und Wüstenlandschaften
darzustellen, in denen die Jagd stattfand.
Umgekehrt wurde der Vogelfang mit Netzen ein wichtiger Bestandteil der
Tempeldekoration: Häufig sind der König und verschiedene Götter mit
Schlagnetzen voller Vögel und Tiere abgebildet. Wahrend diese „Szenen im
Papyrusdickicht“ der Privatgräber fraglos einen beliebten „Freizeitsport“
der Elite wiedergeben, werden solche Szenen in Tempeln meist als Allegorie
der Maat gedeutet. Durch die Jagd wird die Harmonie bewahrt: Alles Böse und
Unberechenbare, wie es von den Vögeln und Tieren symbolisiert wird, die in
den Netzen zappeln, wird verfolgt und in Schach gehalten.
Darstellungen aus dem Alten Reich in den Pyramidenanlagen von Sahura
(2487-2475 v. Chr.) und Pepi II. (2278-2184 v. Chr.) zeigen den König bei
der Jagd auf ein überlebensgross abgebildetes Nilpferd. Dass diese Szenen
allegorisch zu verstehen sind - als Begrenzung des Chaos durch den König -,
zeigen die Reliefs in Horus-Tempel von Edfu: Hier werden das Fesseln und
Harpunieren eines Nilpferds zur dramatischen Wiederholung des mythischen
Konflikts zwischen den Göttern Horus und Seth. |