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Altes Ägypten, Pharaonen
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Humor

Da Humor und Satire mit Zersetzung und Untergrabung des üblichen gesellschaftlichen Dekorums zu tun haben, sind sie schon in der Gegenwart äusserst schwer zu analysieren oder zu zergliedern; noch weit mehr gilt dies für eine alte Kultur wie das pharaonische Ägypten, von der wir noch nicht einmal die elementaren Strukturen des Sittenkodex richtig verstehen. Trotz dieses grundlegenden Problems gibt es einige relativ eindeutige Beispiele für humoristische bildliche Darstellungen wie etwa die Reliefszene im Tempel der Hatschepsut (1473-1458 v. Chr.) in Deir el-Bahri, auf der die übergewichtige Gestalt der Königin von Punt zu sehen ist, gefolgt von einem kleinen Esel; der dazugehörige Text erläutert: „Der Esel, der die Königin tragen musste“. Dass diese Szene im alten Ägypten als komisch empfunden wurde, lässt sich vielleicht daran erkennen, dass ein Ostrakon mit einer groben Skizze der Königin erhalten ist, die eindeutig vom Original kopiert wurde.
Titel wie Die Satire auf die Berufe (Die Lehre des Cheti) bzw. Werde Schreiber werden von Ägyptologen als Beispiele für Texte aus dem Mittleren und Neuen Reich angeführt, die alle Handwerke und Berufe ausser dem des Schreibers verächtlich machen. Obwohl das Überlegenheitsgefühl des ägyptischen Schreibers derart ausgeprägt war, dass Teile dieser „Satiren“ wohl eher ernst als ironisch gemeint gewesen sein dürften, findet sich in den Beschreibungen der Berufe fraglos ein beträchtliches Mass an komischer Übertreibung und Karikatur, das sie zu literarischen Pendants des sanften Spottes macht, mit dem manch einfacher Arbeiter in privaten Grabmalereien bedacht wird.
Insgesamt scheint es aber in den Grenzen offizieller Grab- und religiöser Kunst und Literatur relativ wenig Ventile für Humor gegeben zu haben; die heitereren Aspekte ägyptischer Kultur beschränken sich deshalb in ihrer Mehrheit auf flüchtige Skizzen und Ostraka, die Tabu-Themen zeigen wie einen Pharao mit unziemlichen Bartstoppeln am Kinn. Eine grosse Zahl derartiger Skizzen fallen unter die Kategorie „Tierfabeln“, in denen Tiere - v. a. Katzen und Mäuse - bei typisch menschlichen Aktivitäten gezeigt werden, etwa beim Schlagen von Gefangenen, beim Streitwagenfahren oder beim Verbeugen vor einem Herrscher. In einigen Fällen wurden diese Szenen auf Papyrus festgehalten, wie im Fall des sog. Satirischen Papyrus (heute im Britischen Museum), der aus dem Neuen Reich stammt und u. a. eine Katze beim Gänsehüten sowie einen Löwen und eine Gazelle beim Brettspiel zeigt. Man vermutete, diese Tierbilder seien das einzige, was von einstigen „Tierfabeln“ erhalten ist, doch sind keine entsprechenden literarischen Texte belegt, und gegenwärtig lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob diese Bilder komisch gemeint waren oder in irgendeinem Zusammenhang mit didaktischen Schriften wie der Prophezeiung des Neferti standen, in denen der Zerfall der Gesellschaft als vorsätzliche Verkehrung der natürlichen Welt geschildert wird.


 

 

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