|
Trotz der Fruchtbarkeit
des Niltals war Holz im alten Ägypten fraglos immer etwas Wertvolles. Zwar
wurden viele Bäume (wie Dattelpalme, Dumpalme und Feige) hauptsächlich wegen
ihrer Früchte angepflanzt, doch lieferten sie auch gutes Holz, das in erster
Linie zum Bau von Häusern und Möbeln verwendet wurde. Als Brennmaterial
dürfte es nur in sehr beschränktem Masse eingesetzt worden sein; zum
Befeuern des häuslichen Herdes nahm man gewöhnlich getrockneten Dung.
Dattelpalme und Dumpalme wurden zu Planken geschnitten, aus der Dattelpalme
aber auch, ohne grosse Vorbehandlung, Säulen und Dachbalken hergestellt. Aus
Tamariske und Feigensykomore wurden bevorzugt Särge gefertigt und Statuen
geschnitzt. Aus dem Holz der Esche fertigte man zuweilen Waffen, und zwar
inbes. solche, die biegsam sein mussten wie der Bogen aus deem Grab des
Tutanchamun (1336-1327 v.Chr; KV62). Akazien-Holz kam häufig im Bootsbau und
anderen grösseren Bauwerken zum Einsatz. Das wertvollste Holz, das die
Ägypter verwendeten, war jedoch das aus dem Libanon importierte Zedern-Holz,
das besonders für seetüchtige Schiffe und die schönsten Särge geschätzt
wurde. Die Aleppokiefer wurde aus ähnlichen Gründen eingeführt, der
Wacholder auch als Bau- und Funier-Holz verwendet. Eben-Holz schliesslich
importierte man aus den Ländern des tropischen Afrika, u. a. aus Punt, und
fertigte daraus hauptsächlich Möbel und Funiere.
Die altägyptischen Methoden der Steinbearbeitung gehen wahrscheinlich z. T.
auf vervollkommnete frühere Holz-Techniken zurück und viele der von
Steinmetzen gebrauchten Werkzeuge auf Tischler- und Schreinerwerkzeuge. Die
Ägypter entwickelten nicht nur Funiertechniken, sondern stellten auch eine
Art Sperr-Holz her; vielleicht von einem Sarg stammende Fragmente fand man
in der Stufenpyramide des Königs Djoser (2667-2648 v. Chr., 3. Dynastie) in
Saqqara. Die einfallsreiche Verwendung (und Wiederverwendung) von Holz durch
die Ägypter unterstreicht, wie wertvoll dieses Material war; dies wird auch
am geschickten Einsatz von Fugen und Stössen durch Schreiner deutlich, die
aus kleinen, unregelmässigen Brettfragmenten gut gearbeitete rechteckige
Särge herstellten. Gegenstände aus Holz konnten durch Bemalung, Vergoldung
oder Funierarbeiten sowie mit Einlagen aus Elfenbein, Glas oder Edelsteinen
verziert werden. |