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Hoherpriester des Amun in
Theben unter Ramses Xl. (1099-1069 v. Chr.), dem letzten König der 20.
Dynastie. Inschriften aus dem letzten Jahrzehnt der Dynastie sprechen von
einer „Renaissance-Ära“, während der Ramses zwar nominell noch der einzige
legitime Herrscher, die Verwaltung Ägyptens faktisch aber auf drei Männer
aufgeteilt war: den Pharao, dessen Machtbasis in Memphis und Mittelägypten
lag, (seinen späteren Nachfolger) Smendes (altägyptisch Nesbanebdjed), der
von der Delta-Stadt Tanis aus den grössten Teil Unterägyptens kontrollierte,
und Herihor, der Oberägypten und Nubien beherrschte.
Über die Herkunft Herhihors ist kaum etwas bekannt, doch dürften seine
Eltern Libyer gewesen sein. Die Textstudien K. Jansen-Winkelns lassen es
immer wahrscheinlicher erscheinen, dass Pianch, den man zunächst für den
Sohn und Nachfolger Herihors hielt, vielmehr dessen Schwiegervater war. lm
letzten Jahrzehnt der Regierungszeit Ramses XI. hatte Herihor die Titel
eines Hohenpriesters des Amun von Theben, eines obersten Heerführers und
Vizekönigs von Kusch inne, eine Ämterkombination, die es ihm eigentlich
ermöglicht haben müsste, selbst als Pharao zu regieren. Tatsächlich ist in
einem Relief im Chons-Tempel von Karnak sein Name von einer Kartusche
umrahmt und er selbst ausdrücklich als dem König gleichgestellt abgebildet,
während er an anderer Stelle im Tempel die Doppelkrone trägt.
Die Inschriften auf der Grabausstattung von Herihors und seiner Gemahlin
Nedjmet weisen Kartuschen mit ihren Namen auf, doch scheint dieses
„Königtum“ auf einige wenige, recht begrenzte Bereiche innerhalb der Thebais
beschränkt gewesen zu sein; Verwaltungsdokumente im ganzen Land trugen den
Namen Ramses' XI. Ausser den Reliefs in Karnak sind die einzigen bedeutenden
erhaltenen Monumente Herihors eine Statue (Ägyptisches Museum Kairo) und
eine Stele (Rijksmuseum von Oudheden, Leiden); von seinem Grab fehlt in
Theben-West bisher jede Spur.
Seine Herrschaft über Theben bot den zeitlichen Rahmen für den Bericht des
Wenamun (der in einem einzigen, heute im Moskauer Puschkin-Museum
aufbewahrten Papyrus überliefert ist). Dieser - möglicherweise auf einer
wahren Begebenheit beruhende - literarische Klassiker erzählt von den
Schwierigkeiten, mit denen sich ein ägyptischer Diplomat konfrontiert sah,
der im Auftrag Herihors Holz aus Syrien beschaffen sollte zu einer Zeit, da
der ägyptische Einfluss in der Levante im Schwinden begriffen war. |