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Altes Ägypten, Pharaonen
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Harim (altägyptisch ipet, per-chener)

Von Ägyptologen gebrauchte Bezeichnung für eine eigenständig verwaltete Einrichtung für königliche Frauen und ihren Anhang, die während des Neuen Reiches wahrscheinlich Königspalästen und -villen angegliedert war. lm altägyptischen Kontext ist diese aus der islamischen Begriffswelt übernommene evokative Bezeichnung verwirrend: So waren die erotischen Assoziationen des osmanischen Harim dem ägyptischen ipet völlig fremd, ausserdem sind Textmaterial und archäologische Quellen schwer in Einklang zu bringen: Einerseits beschreiben die erhaltenen Texte einen bedeutenden Wirtschaftsbetrieb, der jedoch angewiesen war auf Einkünfte aus Steuern und regelmässige Lebensmittellieferungen; andererseits wurden die archäologischen Funde in Gurob eindeutig als die Reste einer wirtschaftlich unabhängigen Einrichtung für königliche Frauen identifiziert, eines „Harim-Palastes“, der unter Thutmosis III. (1479-1425 v.Chr.) gegründet und während der gesamten restlichen 18. Dynastie bewohnt war. Die Inschriften auf Stelen, Papyri und verschiedenen anderen Artefakten aus den Hauptgebäuden erwähnen wiederholt Beamtentitel, die mit dem königlichen Harim (oder per-chener) von Mer-Wer in Zusammenhang standen. Eine ähnliche Einrichtung gab es offenbar in Memphis, doch ist nichts davon erhalten.
Zwar wurden an Orten wie Malkata und El-Amarna, wo Amenhotep III. (1390-1352 v. Chr.) bzw. Echnaton (1352-1336 v. Chr.) ihre Paläste hatten, weitere Harims identifiziert, doch hatten diese wahrscheinlich nichts mit dem in den Texten beschriebenen Harims zu tun und entspringen meist mehr der Phantasie der Ausgräber, als dass sie sich auf eindeutige Belege stützten (obwohl der sog. Nord-Palast in el-Amarna, der von seinen Ausgräbern ironischerweise nicht als Harim identifiziert wurde, einige Ähnlichkeiten mit den Gebäuden in Gurob aufweist). Den schriftlichen Zeugnissen zufolge übernahmen die Frauen Aufgaben wie das Weben von Leinen (eine Tätigkeit, die in Gurob hinreichend belegt ist). Verwaltet wurde der Harim von männlichen Beamten wie Steuerbeamten und Schreibern, deren Titel auf zahlreichen erhaltenen Dokumenten überliefert sind.
Nahm sich der Pharao eine neue Gemahlin oder Konkubine, zog sie samt ihrem Gefolge von Dienerinnen im Harin ein, so dass ihm im Laufe der Zeit buchstäblich Dutzende Frauen angehören konnten. Kinder, darunter gelegentlich auch junge ausländische Gefangene, wurden im königlichen Harim erzogen, eine Gepflogenheit, die der biblischen Geschichte von Moses zugrunde liegen könnte. Betrachtet man die Details der Moses-Erzählung, ist es vielleicht nicht verwunderlich, dass Harims-Damen gelegentlich in politische Intrigen verwickelt waren. Aus dem juristischen Papyrus Turin wissen wir, dass Teje, eine Gemahlin Ramses' lll. (1184-1153 v. Chr.), mit anderen Frauen und einigen der männlichen Beamten eine Verschwörung plante, um ihren Gatten zugunsten ihres Sohnes zu stürzen. Die Verschwörung wurde jedoch entdeckt und der Prinz, zusammen mit einigen anderen Verschwörern, zum Selbstmord gezwungen; über das Schicksal der Teje und der anderen Frauen wissen wir nichts.


 

 

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