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Altes Ägypten, Pharaonen
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Geschichte und Geschichtsschreibung

Ägyptische Geschichte zu definieren, ist ebenso schwer, wie eine Definition von äg. „Literatur“ zu geben; in beiden Fällen versuchen moderne Gelehrte zwangsläufig, an äg. Quellen mit modernen Vorstellungen und Kategorien heranzugehen, die für die antiken Schriftsteller völlig sinnlos gewesen wären. Die altägyptischen Texte, die heute für gewöhnlich als „historisch“ bezeichnet werden, hatten zum Zeitpunkt ihrer Entstehung eine ganz andere Funktion; deshalb müssen sie sehr sorgfältig ausgewertet werden, wenn authentische „historische“ Daten aus ihnen gewonnen werden sollen.
Der kanadische Ägyptologe Donald Redford definiert echte Geschichte als „Mitteilung (nicht unbedingt, aber meist, in erzählender Form) von Ereignissen, an denen Menschen beteiligt sind oder die Menschen betreffen und die vor dem Zeitpunkt ihrer Niederschrift stattgefunden haben; Hauptzweck der Niederschrift ist es, diese Ereignisse zum Wohle, zur Erbauung und zur Befriedigung der Wissbegier von Zeitgenossen zu erklären, und nicht, den persönlichen Ruhm des Verfassers zu fördern“. Tatsächlich vertritt William Hayes in der Cambridge Ancient History die Meinung, es seien nur vier historische äg. Texte erhalten, die einer Definition wie der von Redford entsprächen: die Stelen des Kamose (um 1555-1550 v. Chr.), die seine Kämpfe gegen die Hyksos schildern, die Annalen Thutmosis' III. (1479-1425 v. Chr.), die Berichte über seine Feldzüge in Syrien-Palästina enthalten, und die Siegesstele des Pije (747-716 v. Chr.), die seine Eroberung Ägyptens beschreibt. Redford fügt ergänzend die im Felsenheiligtuin Speos Artemidos aufgezeichnete Rede der Hatschepsut, eine möglicherweise fingierte Rede von Ramses III. (1184-1153 v. Chr.) am Ende des Grossen Papyrus Harris und die Chronik des Prinzen Osorkon über die Erhebungen in Theben während der 3. Zwischenzeit (1069-747 v. Chr.) hinzu. Ein weiterer Text, den man heute in diese Liste einreihen könnte, ist ein Fragment der Annalen Amenemhats II. (1922-1878 v. Chr.), das bereits Mitte der 50er Jahre in Memphis entdeckt, aber erst 1980 publiziert wurde; es zeigt, dass in Form von detaillierten Berichten über politische und religiöse Ereignisse aus jedem Regierungsjahr eines Königs schon im Mittleren Reich (2055-1650 v. Chr.) etwas verfasst wurde, was der modernen Vorstellung von historischer Aufzeichnung nahe kommt, auch wenn es noch jeder Analyse entbehrt.
Doch das waren die Ausnahmen. Den meisten Erzählungen und zeremoniellen Texten aus dem alten Ägypten ging es weit mehr um den Erhalt und die Überlieferung nationaler Traditionen oder um die Erfüllung einer bestimmten Rolle in Religion oder Totenkult als um objektive Schilderungen der Vergangenheit. Selbst die sog. historischen Fragmente äg. Texte wie die Kamose-Stelen, die „Rede“ im Speos Artemidos und die Annalen Thutmosis' III. sind in Wirklichkeit Bestandteile des Tempels, in dem sie gefunden wurden: Sie weichen deshalb beträchtlich von der vom griech. Historiker Herodot (um 484 - um 420 v. Chr.) eingeleiteten echten historischen Tradition ab, denn sie schliessen ein hohes Mass an Symbolik und reinem Ritual ein. In ihrer kultischen Verehrung des Königs sind sie den Res gestae näher, die die Taten des röm. Kaisers Augustus verherrlichten, als den eher „journalistischen“ Berichten eines Thukydides oder Tacitus, deren erklärtes Ziel es zumindest ist, die objektive Wahrheit über vergangene Ereignisse darzustellen.
Inhaltlich stehen die meisten monumentalen Texte und Reliefs auf den Wänden äg. Gräber und Tempel der symbolischen und zeitlosen Welt der Mythen viel näher als der Geschichte. Es gibt eine weit verbreitete Tendenz, Mythen als eine Art „primitiver Geschichte“ zu betrachten, doch ist diese Sichtweise problematisch. Redford benennt den Unterschied zwischen Mythos und Geschichte: „Die Bedeutung von Mythen liegt nicht darin, dass sie irgendwann in der Vergangenheit stattgefunden haben, sondern vielmehr in ihrer Bedeutsamkeit für die Gegenwart [...] Horus' Eintreten für seinen Vater, das Hochheben des Himmels durch Schu, die Ermordung des Osiris - das alles sind uranfängliche Ereignisse, zeitlos und allgegenwärtig; und weder vom König noch vom Priester, die sie erneut vollziehen, kann man sagen, sie erfüllten eine historische Aufgabe oder gedächten der Geschichte.“

 


 

 

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