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In einem über weite
Strecken so trockenen Land wie Ägypten bildete der kultivierte Streifen des
Niltales ein Gebiet fruchtbarer grüner Felder und gefüllter
Bewässerungsgräben. Eine solch üppige Vegetation, oft noch um einen Teich
ergänzt, war auch in der Umgebung von Häusern und Tempeln begehrt.
Privat-Gärten wurden hauptsächlich zum Anbau von Gemüse nahe am Fluss oder
einem Kanal angelegt; bis zum Neuen Reich (1550-1069 v. Chr.) hatten sie
sich jedoch zu luxuriöseren Anlagen entwickelt, die oft auch architektonisch
gestaltet und manchmal von hohen Mauern umgeben waren.
Tempeln waren häufig Gärten zum Anbau bestimmter Gemüsesorten angegliedert;
der Anbau von „Lattich“ (der dem Gott Min heilig war) ist oft in Reliefs und
gemalten Bildern dargestellt. Ähnliche kleine Parzellen, durch Lehmmauern
voneinander getrennte Vierecke, sind aus der „Arbeitersiedlung“ von
El-Amarna bekannt, wo Gemüse angebaut wurde, das möglicherweise bei Ritualen
in den dortigen Kapellen Verwendung fand. Zuweilen wurden vor Tempeln
einzelne Zierbäume gepflanzt, wie etwa vor dem Hatschepsut-Tempel in Deir
el-Bahri, wo Pflanzlöcher für zwei einzeln stehende Bäume gefunden wurden,
im Gegensatz zu der Anlage eines Sykomoren- und Tamariskenhains vor dem
Tempel von Nebhetepra Mentuhotep II. (2055-2004 v. Chr., 11. Dynastie).
Die Häuser der Wohlhabenden verfügten oft über grosse, kunstvoll angelegte
Gärten, die sich um einen Teich herum ausbreiteten, der im Neuen Reich
manchmal T-förmig war. Solche T-förmigen Teiche kennen wir auch aus dem
Tempel der Hatschepsut (1473-1458 v. Chr.) in Deir el-Bahri, so dass
anzunehmen ist, dass die Form eine religiöse Bedeutung hatte. Sie enthielten
Zierfische und dienten Wasservögeln als Zufluchtsort. In manchen Teichen
wuchsen Blumen wie der Weisse und der Blaue Lotos und in jenen von Deir
el-Bahri Papyrus.
Schatten zu spenden war eine wichtige Funktion des ägyptischen Gartens, und
aus den Malereien in der thebanischen Grabkapelle des Kenamun wissen wir,
dass manchmal mit Hilfe von Holzstützen und Wein Lauben errichtet wurden.
Bäume dienten nicht nur als Schattenspender, sondern lieferten auch Früchte
wie Datteln, Feigen und Dumnüsse. Trauben konnten zur Herstellung von
Rosinen oder auch hausgemachtem Wein verwendet werden. Der heilige
Perseabaum wurde in Privat- und Tempel-Gärten angepflanzt. Im Garten des
Ineni, des Architekten Thutmosis' I. (1504-1492 v. Chr.), waren 19 Baumarten
vertreten; zu den beliebtesten Bäumen gehörten die rosa blühende Tamariske,
die Akazie und die Weide.
Kornblumen, Alraunen, Mohn, Gelbe Margeriten und andere kleine Blumen
wuchsen zwischen den Bäumen und konnten, wie Lotosblüten und einige
Baumblätter, zur Herstellung von Blumengebinden für Festgelage oder ähnliche
Anlässe verwendet werden. Der im Neuen Reich eingeführte Granatapfel wurde
ein beliebter Strauch, und seine Blüten verliehen den Gärten weitere
Farbenpracht. Insgesamt vermittelten Gärten den Eindruck von kühlem
Schatten, erfüllt vom Duft der Blumen und Bäume; Gärten sind daher die
häufigsten Schauplätze ägyptischer Liebesgeschichten.
Allerdings bedurften die Gärten aufgrund des trockenen ägyptischen Klimas
ständiger Fürsorge und nicht zuletzt der Bewässerung. Darstellungen wie jene
aus dem Grab des Ipui zeigen einen Schaduf, der Wasser fördert. Die bei
Tempeln und wohlhabenden Haushalten angestellten Gärtner hatten verschiedene
Aufgaben; so waren sie nicht nur für die Bewässerung der Pflanzen und fürs
Unkrautjäten zuständig, sondern auch für die künstliche Bestäubung der
Dattelpalmen - eine Aufgabe, die offenkundig beträchtliches Können
erforderte. |