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Altes Ägypten, Pharaonen
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Erziehung und Ausbildung

Nur wenige Ägypter erhielten eine formale Ausbildung; die Mehrheit der Bevölkerung waren Analphabeten, und ihre Ausbildung beschränkte sich im wesentlichen auf die praktische Berufsausbildung: Gewerbliche und handwerkliche Berufe wurden von einer Generation an die nächste weitergegeben, und viele Jungen gingen offenbar bei ihren Vätern in die Lehre. In der Regel erwartete man vom Sohn, dass er den Beruf oder Posten seines Vaters übernahm und schliesslich weitgehend für den Unterhalt der Familie sorgte. Über Erziehung und Ausbildung von Frauen sind nur wenige Zeugnisse erhalten, doch scheinen Töchter hauptsächlich häusliche Fertigkeiten wie Weben und Kochen von ihren Müttern gelernt zu haben.
Für die Elite der ägyptischen Gesellschaft bedeutete Bildung in erster Linie Ausbildung zum Schreiber, da der Gebrauch der Schrift den Schlüssel zur ägyptischen Verwaltung und Wirtschaftsorganisation darstellte; der Tätigkeitsbereich des ausgebildeten Schreibers ging zudem über das Schreiben hinaus und umfasste auch die Rolle des Verwalters und Bürokraten. Ein Dokument aus dem 14. Regierungsjahr Psammetichs I. (664-610 v. Chr.) enthält die eigenhändigen Unterschriften von fünfzig hohen Beamten von Priestern bis zu Wesiren und lässt damit erkennen, wie weit - zumindest in der 26. Dynastie - die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben unter den Angehörigen der herrschenden Elite verbreitet war. Viele aus der Pharaonenzeit erhaltene Texte sollten nicht nur als literarische Werke dienen, sondern, wie z. B. die sog. Miszellen, auch als Übungstexte für angehende Schreiber, und oft verdanken wir die Überlieferung dieser Dokumente der Tatsache, dass sie als Schreibübungen immer wieder kopiert wurden. Die Frage, inwieweit Frauen lesen und schreiben konnten, wird noch lebhaft diskutiert; es ist durchaus möglich, dass eine kleine Gruppe von Frauen dazu in der Lage war, da es Briefe an und von Frauen aus der Handwerkersiedlung Deir el-Medina (Neues Reich, um 1500-1100 v. Chr.) gibt; allerdings wäre es auch denkbar, dass solche Dokumente von männlichen Schreibern für weibliche Auftraggeberinnen geschrieben bzw. ihnen vorgelesen wurden.
Schriftlich niedergelegte Lehren wandten sich eindeutig an männliche Jugendliche, und viele der sog. Weisheitstexte haben die Form von Instruktionen, die Väter an ihre Söhne weitergeben. Die Söhne dieser Elite kamen offenbar in den Genuss einer breiteren Ausbildung, die Lesen, Schreiben und Mathematik beinhaltete. Sie wurden vermutlich in einer der Schreiberschulen unterrichtet, die bestimmten Bereichen der Verwaltung angeschlossen waren wie das Lebenshaus einem Tempel, oder, in ganz privilegierten Fällen, am Königshof selbst. Während des grössten Teils der Pharaonenzeit wurde als erstes die Hieratische Schrift gelehrt, und nur wenige Auserwählte wurden danach in die Schreibung der komplizierteren, kunstvollen Hieroglyphen eingeweiht. Mathematik wurde offenbar mittels zahlreicher Beispiele und nicht unter Verwendung abstrakter Formeln unterrichtet, so dass die Aufgaben meist in eine sich wiederholende Folge kleinerer Berechnungen unterteilt wurden.
Gelernt wurde durch blosse Übung, der Unterricht dürfte sich also in der Regel auf das Abschreiben von Übungstexten und das Auswendiglernen langer Textpassagen beschränkt haben. Die Übungen bestanden aus Musterbriefen, Berichten und ausgewählten Stellen aus „Lehren“ wie Kemit. Oft vermittelten diese Lehren ein ausgesprochen voreingenommenes Bild der Gesellschaft, indem sie den Schreiberberuf priesen und andere Lebensweisen zuweilen verspotteten. Die schulische Disziplin war streng, und ein Text enthält den denkwürdigen Satz: „Das Ohr eines Jungen befindet sich auf seinem Rücken - er hört, wenn er geschlagen wird.“


 

 

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