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Altes Ägypten, Pharaonen
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Erotika

Da die Definition von „Erotika“ oder „Pornographie“, anders als die offene Darstellung von Sexualität, von der jeweiligen kulturellen Prägung beeinflusst ist, mag die Beurteilung der möglichen erotischen Bedeutung ägyptischer Kunst und Literatur hauptsächlich vom Blickwinkel des Betrachters abhängen. Die Trennlinie zwischen erotischer Kunst und Religion ist nicht einfach zu ziehen; dies gilt v. a. für die altägyptische Kultur, in der Sexualität und Fruchtbarkeit oft wichtige Elemente von Götterkulten bildeten, wie z. B. im Fall der Kulte von Bes, Hathor und Min. Bei den sog. Inkubationsgemächern des Bes in Saqqara handelte es sich offenbar um Räume, in denen „Pilger“ hofften, erotische Träume zu empfangen, die ihre Fruchtbarkeit steigerten. Die Wände der Gemächer wurden von figürlichen Darstellungen des Zwergengottes Bes und nackter Frauengestalten gesäumt. In ähnlicher Weise stellen Symplegmata eindeutig Geschlechtsverkehr dar, doch ist nicht klar, ob sie reine Erotika waren oder eine Funktion als Weihgaben hatten. Ein verhältnismässig unumstrittenes Beispiel für Erotika ist aus der 19. Dyn. (1295-1186 v. Chr.) in Form des berühmten erotischen Papyrus Turin (Turin, Museo Egizio) erhalten, der offenbar die Abenteuer eines komischen Kauzes während eines Bordellbesuchs schildert. Auch einige Ostraka zeigen Frauen und Männer bei sexuellen Handlungen.
Das Genre der Liebeslyrik erlebte anscheinend in der kosmopolitischeren Atmosphäre des Neuen Reiches eine Blüte, als Ägypten sich mit neuen Völkern und exotischen Vorstellungen aus dem Ausland konfrontiert sah. Die Gedichte, auf Papyri oder Ostraka geschrieben und hauptsächlich während der 19. und 20. Dynastie entstanden, wurden offenbar mit Harfenbegleitung laut vorgetragen und können somit als eine Art Lied betrachtet werden. Sie waren vielleicht Teil des Unterhaltungsprogramms bei den üppigen Banketten des Adels und dürften kaum spontane Kompositionen gewesen sein. In solchen Gedichten pflegten sich die Liebenden als „Bruder“ und „Schwester“ anzureden; oft unternahmen sie darin Spaziergänge, auf denen sie von ihrem Glück oder ihrem Liebeskummer sprachen oder Monologe an ihr eigenes Herz richteten.
In der 18. Dyn. scheinen bei Festen und Banketten erotische Elemente häufig eine Rolle gespielt zu haben, und Männer wie Frauen werden in Grabmalereien bei solchen Anlässen in durchsichtigen Gewändern dargestellt. Unterhalten wurden sie oft von nackten oder halbnackten Tänzerinnen, von denen einige vielleicht Prostituierte waren. Möglicherweise zielten die erotischen Untertöne in diesen Grabmalereien jedoch bewusst auf eine Betonung von Sexualität und Fruchtbarkeit, um die Wirksamkeit des Totenkultes zu steigern. Nackte Frauen finden sich, gelegentlich zusammen mit Katzen und Enten, häufig als Schmuckelemente auf Toilettengegenständen, insbesondere zur Zeit Amenhoteps III. (1390-1352 v. Chr.).


 

 

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