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Der berüchtigte
„Ketzerpharao“, dessen Regierungszeit geprägt war von einschneidenden
Veränderungen in Kunst und Religion Ägyptens. Sohn Amenhoteps III.
(1390-1352 v. Chr.) und der Königin Teje. Bei seiner Thronbesteigung,
vermutlich einige Jahre vor dem Tod seines Vaters (die Frage einer
Mitregentschaft wird noch heftig diskutiert), trug er noch den Namen
Amenhotep IV In seinem 1. Regierungsjahr stellte er indes bereits die
Weichen für eine neue Ära durch den Bau eines Tempels in Karnak, der nicht
Amun, sondern dem Gott Aton (altägyptisch Iten, „die Sonnenscheibe“) geweiht
war. In seinem 5. Regierungsjahr traf Amenhotep IV. zwei schwerwiegende
ikonoklastische Entscheidungen: Er änderte seinen Namen von Amenhotep IV. („Amun
ist zufrieden“) in Echnaton („Glanz des Aton“), und er begann mit dem Bau
einer neuen Hauptstadt mit dem Namen Achetaton („Lichtort des Aton“, heute
El-Amarna) in Mittelägypten. Diese neu gegründete Siedlung sollte ganz
offenkundig sowohl Theben als auch Memphis als religiöses bzw. weltliches
Zentrum des Landes ersetzen. Die folgende Epoche der äg. Geschichte, die die
Regierung Echnatons sowie seines kurzzeitigen Nachfolgers Semenchkara
umfasst, wird deshalb als Amarna-Zeit bezeichnet.
Die bedeutendste religiöse Neuerung unter Echnaton war die Forcierung des
Aton-Kults, die mit der Achtung aller anderen ägyptischen Götter, selbst des
Reichsgottes Amun, einherging. Die Reliefs und Stelen in den Tempeln und
Gräbern aus Echnatons Regierungszeit zeigen immer wieder die kgl. Familie (Echnaton,
seine Gemahlin Nofretete und die kgl. Prinzessinnen) beim Gebet und Opfer
vor Aton, der als Scheibe mit nach unten ausgestreckten Armen dargestellt
ist, die oft Was-Zepter und Anch-Zeichen, die Symbole der Macht bzw. des
Lebens, darreichen. Die Namen der anderen Gottheiten - allen voran der des
Amun - wurden in einem offenkundigen Versuch, den Aton als eine einzige,
höchste Gottheit zu etablieren, von den Tempelmauern getilgt - ein Vorgehen,
das viele Gelehrte dazu verführte, die Einführung des Monotheismus
fälschlicherweise Echnaton zuzuschreiben.
Gestützt auf die Amarna-Briefe (die diplomatische Korrespondenz zwischen den
Pharaonen der Amarna-Zeit und ihren Vasallen in Syrien-Palästina) wurde auch
immer wieder behauptet, Echnaton habe die Aussenpolitik vernachlässigt und
zugelassen, dass das äg. Reich in Vorderasien ernstlich untergraben wurde.
Es gibt jedoch eine Reihe von Belegen für asiat. Feldzüge während seiner
Regierung, und es ist durchaus möglich, dass die damalige Ikonographie
absichtlich die Rolle des Königs als Krieger herunterspielte. Auch sollte
man nicht vergessen, dass die Bewertung der Aussenpolitik anderer Herrscher
des Neuen Reiches automatisch zu Verzerrungen neigt, da sie hauptsächlich
auf äg. Tempelreliefs und Papyri basiert und weniger auf authentischen
diplomatischen Dokumenten wie den Amarna-Briefen.
Nach einer Alleinherrschaft Echnatons von höchstens 16 Jahren kam dann für
kurze Zeit eine Person namens Semenchkara (möglicherweise ein Pseudonym für
Nofretete) auf den Thron und wenig später Tutanchaton, vielleicht ein
jüngerer Sohn Amenhoteps III. oder ein Sohn Echnatons. Binnen weniger Jahre
wurde Achetaton zugunsten des traditionellen Verwaltungszentrums Memphis
aufgegeben, und der neue König änderte seinen Namen in Tutanchamun, ein
deutliches Signal für das Ende der Vorherrschaft des Aton.
Das letzte Geheimnis, das uns die „Amarna-Zeit“ aufgibt, ist das
Verschwinden der Leichen von Echnaton und seiner engsten Familie. Das
Königsgrab, mit dessen Bau Echnaton in einem abgelegenen Wadi östl. von
el-Amarna begonnen hatte, scheint nie fertiggestellt worden zu sein, und es
gibt keine Hinweise darauf, dass ausser Maketaton (eine der Töchter
Echnatons) jemand dort begraben wurde. 1907 entdeckte Theodore Davies den
Leichnam eines jungen männlichen Mitgliedes der kgl. Familie in Grab 55 im
Tal der Könige, der dort mit einigen, hauptsächlich aus dem Besitz Königin
Tejes stammenden Grabbeigaben offenbar ein zweites Mal bestattet worden war.
Seine Mumie wurde einmal als die Echnatons identifiziert (eine Ansicht, die
auch heute noch einige Ägyptologen vertreten), doch vermuten inzwischen die
meisten Gelehrten, dass es sich um Semenchkara handelt. |