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Alte Hauptstadt des 6.
oberägyptischen Gaus nahe dem heutigen Qena. Ihre Nähe zum Ausgangspunkt der
Strasse durch das Wadi Hammamat zum Roten Meer machte sie während der
Pharaonenzeit zu einem bedeutenden Zentrum. Die Belegung der Nekropole von
Dendera, zu der auch einige Mastabas gehören, datiert von der frühdyn. Zeit
bis zur 1. Zwischenzeit. Bestattungen von heiligen Tieren sind ebenfalls
vorhanden, v. a. der mit dem Hathor-Kult verbundenen Kühe. Hathor, deren
Tempel den Ort beherrscht, war die Lokalgöttin von Dendera.
Die verschiedenen erhaltenen Bauten, die den Hathor-Tempel bilden, sind von
der 30. Dynastie bis in die Römerzeit hinein entstanden und von einer gut
erhaltenen Ziegelumwallung umschlossen, die die Technik der Wellenmauer
illustriert. Den Haupteingang bildet ein verhältnismässig kleiner,
propylonartiger Torbau und nicht - wie bei den meisten anderen
oberägyptischen Tempeln seit dem Neuen Reich - ein grosser Pylon.
Das älteste erhaltene Gebäude ist ein Mammisi (Geburtshaus) aus der
Regierungszeit Nektanebos' I. (380-362 v. Chr.) an der W-Seite des
Aussenhofes. Der Haupttempel aus der Ptolelmäer- und Römerzeit ist einer
lokalen Erscheinungsform der Hathor geweiht, die mit Nut als Himmelsgöttin
und Tochter des Ra gleichgesetzt, aber auch mit dem Westen und damit mit den
Toten verbunden wurde. Zwar stammen die erhaltenen Bauten erst aus späterer
Zeit, doch stand an der Stelle spätestens ab dem frühen Neuen Reich ein
Tempel, und Texte in einer der Krypten erwähnen sogar ein Gebäude aus der
Zeit Pepis I. (2321-2287 v. Chr., 6. Dyn.).
Eine Reihe leerer Kartuschen spiegelt die unsichere politische Lage im 1.
Jh. v. Chr., während ein riesiges Relief auf der südl. Aussenmauer Kleopatra
VII. und ihren Sohn Kaisarion vor den Göttern zeigt. In dieser Mauer
befindet sich auch eine Scheintür in Form eines Hathor-Sistrums mit einer
hölzernen Überdachung (heute zerstört); hier konnten diejenigen, die den
Tempel nicht betreten durften, ihre Bitten an die Göttin richten.
Die Säulen der Vorhalle haben sog. Hathor-Kapitelle, bei denen das Gesicht
der Hathor von einem Naos-förmigen Sistrum gekrönt wird. Die meisten dieser
Säulen wurden - möglicherweise in christl. Zeit - beschädigt, einige sind
jedoch recht gut erhalten. In den Krypten finden sich Abbildungen
verschiedener Kultgeräte, die in ihnen aufbewahrt wurden. Der wichtigste
Kultgegenstand war die Ba-Statue der Hathor, die im Verlauf einer Prozession
am Neujahrstag verschiedene Teile des Tempels besuchte, so auch die
Nut-Kapelle und die Dachkapelle, wo sich der Ba mit der Sonnenscheibe
vereinigte. Auf dem Dach befinden sich auch zwei Osiris-Kapellen (von denen
eine die Darstellung des Tierkreises enthielt, die heute zur Sammlung des
Louvre gehört und durch eine Kopie ersetzt wurde) mit Nut-Figuren und Szenen
zur Auferstehung des Osiris.
Ausserhalb des Haupttempels befanden sich, neben zwei Geburtshäusern, ein
kleiner Isis-Tempel und ein Sanatorium zur Unterbringung und Heilung von
Pilgern. Letzteres könnte als „Inkubationskammer“ gedient haben (in der
Pilger schliefen, um heilende Träume zu empfangen), vielleicht fungierte es
aber auch hauptsächlich als Zentrtun für cippus-Heilung.
Zwischen den beiden Geburtshäusern finden sich die Reste einer Basilika aus
christl. Zeit. |