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Die Beziehungen zwischen
dem alten Ägypten und den im Alten Testament beschriebenen Ereignissen sind
im allgemeinen problematisch und umstritten. Der Versuch, biblische
Erzählungen mit Text- und archäolog. Zeugnissen aus der Pharaonenzeit in
Übereinstimmung zu bringen, ist schwierig. Angesichts der Tatsache, dass die
meisten der in der Bibel geschilderten Ereignisse viele Jahrhunderte vor dem
Zeitpunkt ihrer Niederschrift stattgefunden hatten, lässt sich kaum mit
Sicherheit sagen, wann es sich tatsächlich um historische Ereignisse handelt
und wann die Schilderungen rein allegorischer oder rhetorischer Natur sind.
Aufgrund des verschwommenen chronologischen Rahmens in der Bibel ist es
meist auch schwierig, Ereignisse einigermassen exakt bestimmten historischen
Epochen zuzuweisen. Ein anderes grosses Problem besteht darin, dass die
Ereignisse, die für das Volk von Israel grosse Bedeutung hatten, für die
alten Ägypter möglicherweise weniger wichtig waren, weshalb es keinerlei
Garantie dafür gibt, dass ein unabhängiger ägyptischer Bericht verfasst
wurde (geschweige denn, dass er in dem winzigen Bruchteil erhalten
gebliebener Texte überliefert wäre). Ein Grossteil der Forschung
konzentrierte sich deshalb auf den Versuch, biblische Geschichten mit Hilfe
einzelner historischer Anhaltspunkte, die darin auftauchen, zu datieren,
obwohl selbst dabei die Gefahr besteht, auf Anachronismen zu stossen, die
sich zur Zeit der Niederschrift der Texte eingeschlichen haben.
Im Zentrum des Interesses standen die Geschichten von Joseph und Moses;
beide enthalten zahlreiche literarische und historische Details, die
nahelegen, dass die Verfasser über das alte Ägypten zumindest Bescheid
wussten. Die Episode, in der Potiphars Frau versucht, Joseph zum Ehebruch zu
verführen, hat eine Parallele in einer ägyptischen Geschichte, die als Das
Brüdermärchen bekannt wurde, und mehrere der Personennamen scheinen
authentische ägyptische Spätzeit-Formen zu sein, wie z. B. Asenet („die der
[Göttin] Neith gehört“). Diese literarischen und linguistischen Verbindungen
zu Ägypten bieten jedoch keine grosse Hilfe für die Datierung der
Geschichte, von der man allgemein annimmt, sie habe sich während des
ägyptischen Neuen Reiches (1530-1069 v. Chr, zeitgleich mit der späten
Bronzezeit in der Levante) zugetragen, obwohl bestimmte Details besser in
die politische Situation während der Saitenzeit (664-525 v. Chr.) passen.
Das Auftreten Moses' und die Ereignisse des Exodus' werden üblicherweise in
die frühe Ramessidenzeit datiert, wobei der auftretende Pharao am
wahrscheinlichsten Ramses II. (1279-1213 v. Chr.) ist. Allerdings erwähnt
kein Text aus seiner Regierungszeit Moses oder die Kinder Israels, erst
unter seinem Nachfolger Merenptah taucht der Name Israel auf der sog.
Israelstele erstmalig auf. Gelegentlich gab es Versuche, Moses mit Echnaton
gleichzusetzen, mit der Begründung, letzterer habe einen :Monotheismus
ägyptischer Prägung eingeführt, doch gibt es keinerlei andere Aspekte im
Leben dieses Pharaos oder auch in seinem Aton-Kult, die auch nur im
entferntesten dem biblischen Bericht von Moses ähneln. Man hat nachgewiesen,
dass Echnatons Grosser Sonnengesang deutliche ÄhnlichkEiten mit Psalm 104
aufweist, doch ist dies wahrscheinlich nur ein Hinweis darauf, dass die
beiden Werke zu einem gemeinsainEn literarischen Erbe gehören oder
vielleicht sogar von einem gemeinsamen nahöstlichen Urtext ausgehen. Die
gleiche Erklärung wird meist für die sehr engen Parallelen gegeben, die
zwischen einer spätzeitlichen LebensIehre, bekannt als Lehre des Amenemope,
Sohn des Kanechet, und dem Buch der Sprüche festgestellt wurden; allerdings
könnten nach Ansicht einiger Gelehrter die Verfasser der Sprüche auch von
einem Text der Lehre des Amenemope direkt beeinflusst worden sein.
Ab der 3. Zwischenzeit (1069-747 v. Chr.) gibt es in der Bibel nicht mehr
verifizierbare Hinweise auf Ägypten, besonders auf die politischen
Ereignisse im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen Assyrern und Persern.
König Scheschonq I. (945-924 v. Chr.) aus der 22. Dynastie., der biblische
Schischak, plünderte 925 v. Chr. Jerusalem und den Tempel Salomos. Hosea,
König von Samaria, soll den ägyptischen Prinzen Tefnacht von Sais um
militärische Hilfe gebeten haben bei dem Versuch, die Assyrer im späten 8.
Jh. abzuwehren. |