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Schöpfergott und
Sonnengottheit von Heliopolis, wo er allmählich mit dem Sonnengott Ra zur
Gottheit Ra-Atum verschmolz. Nach der Theologie von Heliopolis entstand Atum,
noch bevor Himmel und Erde entstanden waren, indem er aus dem Nun, den
Wassern des Chaos, emporstieg, um den Urhügel zu bilden. Sein Name bedeutet
„das All“ - als seine Schöpfung und als Summe alles Existierenden.
Am Anfang von Atums Erschaffung des Universums stand eine Familie von neun
Göttern, die Neunheit von Heliopolis: Seine ersten Abkömmlinge Schu (Luft)
und Tefnut (Feuchtigkeit) waren die Eltern von Geb (Erde) und Nut (Himmel)
und die Grosseltern von Osiris, Isis, Seth und Nephthys. Atum, so heisst es,
habe Schu und Tefnut durch Begattung mit der eigenen Hand oder, anderen
Quellen zufolge, durch Ausspeien hervorgebracht. Es wurde diskutiert, ob es
sich bei Atums Zeugungsakt um Masturbation oder eher um Kopulation handelte,
denn seine Hand scheint das weibliche Prinzip verkörpert zu haben. Atum und
seine Hand wurden deshalb als göttliches Paar auf Särgen der 1. Zwischenzeit
abgebildet. Entsprechend wurde der Titel „Gotteshand“, von thebanischen
Priesterinnen angenommen, von denen es hiess, sie seien mit dem Gott Amun
vermählt.
Atum galt als Schutzgottheit, die besonders eng mit dem Königsritual
verbunden war. Es war Atum, der den toten König aus seiner Pyramide ans
Firmament hob zu den „unvergänglichen Sternen“, und in späterer Zeit
beschützte er die Verstorbenen auf ihrer Reise durch die Unterwelt.
Gewöhnlich wird er menschengestaltig dargestellt, häufig mit der
Doppelkrone. Die ihm besonders heiligen Tiere waren Löwe, Stier, Ichneumon
und Eidechse, während als eine seiner Erscheinungsformen der Skarabäus galt,
der aus seiner Dungkugel hervorkam wie Atum einst aus dem Urhügel. Zuweilen
findet man ihn in Gestalt der Urschlange dargestellt, der Gestalt, die er
annehmen sollte, wenn das Universum schliesslich zusammenbrechen und alles
zu seinem urzeitlichen Urzustand zurückkehren würde. |