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Als Sonnenscheibe
dargestellte Gottheit, deren Kult v. a. unter Amenhotep IV./Echnaton
(1352-1336 v. Chr.) und Semenchkara (1338-1336 v. Chr.) gefördert wurde. Die
engen Verbindungen zwischen Sonnenscheibe und Sonnengott liessen Zweifel
aufkommen, ob der Aton als selbständiges göttliches Wesen verehrt wurde. Es
gibt sogar Hinweise darauf, dass Echnaton den Aton mit seinem eigenen Vater,
Amenhotep III. (1390-1352 v. Chr.), gleichgesetzt haben könnte. Schon
frühere Pharaonen waren mit dem Aton verbunden worden, so Thutmosis I.
(1504-1492 v. Chr.), der in seinem Tempel im nubischen Tombos mit der
Sonnenscheibe auf dem Haupt und gefolgt vorn Hieroglyphenzeichen für „Gott“
dargestellt wurde.
Die Bedeutung des Aton nahm während des gesamten Neuen Reiches stetig zu,
und die charakteristische Ikonographie der Sonnenscheibe mit Strahlen in
Form ausgestreckter menschlicher Arme war bereits unter Amenhotep II.
(1427-1400 v. Chr.) aufgetaucht. Besonders favorisiert wurde der Aton von
Amenhotep III., aus dessen Regierungszeit es Hinweise gibt auf die
Anwesenheit von Aton-Priestern in Heliopolis, dem traditionellen
Hauptkultort des Sonnengottes Ra. Auch in die Namen seines Palastes in
Malkata, einer Division seiner Armee und eines Vergnügungsbootes baute er
Anspielungen auf den Aton ein.
Seinen Höhepunkt erreichte der Aton-Kult indes unter Amehotep IV. Mit dessen
Regierungsantritt als Alleinherrscher wurde der Aton zum „einzigen“ Gott,
und an der Peripherie des Amun-Tempels von Karnak wurde ihm ein Tempel, der
per-Aten, errichtet. Dieser umfasste wenigstens drei Heiligtümer, von denen
eines als hwt benben („Haus des Benben“) bezeichnet wurde. Der Amun-Kult
wurde offenbar in kurzer Zeit stark beschnitten und schliesslich verboten
und der Aton als der einzige, alleinige Gott propagiert.
Um das 5. Regierungsjahr tat Amenhotep IV den nächsten logischen Schritt,
der in der Gründung einer neuen Hauptstadt mit ihren eigenen, dem Aton-Kult
geweihten Tempeln bestand. Diese Neugründung, errichtet an einem unberührten
Ort in Mittelägypten, an dem noch nie andere Götter verehrt worden waren,
nannte er Achetaton („Lichtort des Aton“). Der König änderte auch seinen
Namen (von Amenhotep in Echnaton) und seine Titel, behielt aber die
Bestandteile, die den Sonnengott (und nicht Amun) betrafen, unverändert bei.
Im Rahmen der Kulte für den Sonnengott liess er eine Begräbnisstätte für
einen Mnevis-Stier (die physische Manifestation des Ra) in el-Amarna
anlegen, die jedoch nie gefunden wurde und vielleicht unvollendet geblieben
war. Echnaton wird zuweilen als erster Verfechter eines Monotheismus
angesehen, doch müssen sein Verhältnis zum Kult des Aton und zum Rest des
ägyptischen Pantheons strikt im Kontext seiner Zeit betrachtet werden. Erik
Hornungs Einschätzung des Aton-Kultes als eine Form des Henotheismus, der
einen Gott über viele andere Götter erhob, kommt der Sache wahrscheinlich
näher.
Zwei grössere Aton-Tempel wurden in el-Amarna gebaut, im Unterschied zu
bedeutenderen thebanischen Tempeln jedoch grösstenteils aus Lehmziegeln;
möglicherweise sollten sie später durch Steinbauten ersetzt werden. Der per
Aten („Tempel des Aton“), von seinen Ausgräbern als Grosser Tempel
bezeichnet, war ein offener, nicht überdachter Bau und bedeckte eine Fläche
von rund 800 x 300 m am nördlichen Ende des Stadtzentrums. Das hwt Aten (wörtl.
„Haus des Aton“, von den Ausgräbern jedoch meist Kleiner Aton-Tempel
genannt) war etwas kleiner, aber von der Anlage her ähnlich; beide waren mit
Opfertischen übersät, und der erste Hof des kleinen Tempels enthielt einen
monumentalen Lehmziegelaltar - vielleicht eines der ersten Monumente, das in
der neuen Stadt errichtet worden war.
Viele der Felsgräber der Elite von el-Amarna, die am nördlichen und
südlichen Ende der Felsbucht im Osten der Stadt ausgegraben wurden, weisen
auf den Türpfosten Gebete an den Aton auf. Die meisten davon sind offenbar
Auszüge aus dem Sonnengesang, einem längeren Werk, das Wissenschaftler
Echnaton persönlich zuschreiben. Die vollständigste erhaltene Version dieses
Hymnus fand man im Grab des Aja, „des Aufsehers der königlichen Pferde“; Aja
war wahrscheinlich der Bruder von Königin Teje (der Mutter Echnatons) und
folgte später Tutanchamun auf dem Thron. Der Sonnengesang, der in früheren
Hymnen an den Sonnengott aus der 18. Dynastie mehrere Vorläufer hat, wurde
mit Psalm 104 verglichen, auch wenn die deutlichen Parallelen zwischen den
beiden Werken meist einfach als Hinweise auf das gemeinsame literarische
Erbe Ägyptens und Israels gewertet werden. Der Hymnus betont auch Echnatons
Rolle als Mittler zwischen dem Aton und dem gemeinen Volk, dank der er
vielleicht die Entstehung einer starken Priesterschaft wie im Fall der
Amun-Priester von Theben zu verhindern hoffte. Die Angehörigen der Elite von
el-Amarna hielten sich strikt an den offiziellen Aton-Kult. Viele von ihnen
errichteten in den Gärten ihrer Villen Schreine, die der neuen königlichen
Familie und dem Aton geweiht waren. Es wurden jedoch auch weiterhin - sogar
von den Bewohnern der Stadt el-Amarna selbst - traditionelle religiöse Kulte
ausgeübt, wenn auch vielleicht heimlich. Im „Arbeiterdorf“ am östlichen
Stadtrand fand man zahlreiche Amulette traditioneller Götter sowie kleine
Privatkapellen, die wahrscheinlich der Ahnenverehrung gewidmet waren und
keinerlei Spuren der offiziellen Religion zeigen.
Nach Echnatons Tod erfolgte eine Rückkehr zu Amun, und man war bestrebt,
alle Spuren des Aton-Kults zu beseitigen. Die Stadt Achetaton wurde
aufgegeben und vielleicht schon unter Horemheb (1323-1295 v. Chr.) mit ihrer
Zerstörung begonnen, wobei oft nur die Fundamente der Kultanlagen
übrigblieben. Die Talatat genannten Steinblöcke der Aton-Tempel wurden
wiederverwendet, v. a. als Füllmaterial für die Pylone neuer Tempel, die den
traditionellen Götterkulten geweiht waren. Nach der Amarnazeit wurden die
Reliefdarstellungen in el-Amarna und anderswo, die Namen und Gesichter
Echnatons, seiner Königin Nofretete und all derjenigen, die mit dieser
„Ketzerei“ verbunden waren, getilgt. |