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Während des Alten Reiches
(2686-2181 v. Chr.) gab es in Ägypten kein stehendes Heer, wahrscheinlich
existierte aber bereits eine kleine kgl. Leibwache. Gruppen junger Männer
wurden offenbar für bestimmte Unternehmungen eingezogen, die von
Steinbruch-, Minen- und Handelsexpeditionen bis zu rein militärischen
Feldzügen reichten. Die Inschriften der Grabkapelle des Weni in Abydos (um
2300 v. Chr.) schildern einen Palästina-Feldzug einer Armee von
„Zehntausenden von Einberufenen“, die der König von den verschiedenen
Gaufürsten eingefordert hatte.
Während der 1. Zwischenzeit (2181-2055 v. Chr.) scheinen immer mehr
Gaufürsten ihre eigenen Truppen rekrutiert zu haben, und die Feldzüge nach
Nubien während der frühen 12. Dynastie dürften eher von Verbänden dieser
lokalen Einheiten durchgeführt worden sein als von einer einzigen nationalen
Streitmacht. Unter Senweseret III. (1874-1855 v. Chr.) trugen jedoch die
Beschränkung der Macht der Provinzen und der Bau ständiger Festungen und
Garnisonen in Nubien offenbar zur Schaffung einer grossen nationalen Armee
bei. Die Entwicklung militärischer Organisation und Hierarchie lässt sich im
späten Mittleren Reich an der Herausbildung solch spezifischer Titel wie
„Soldat des Stadtkorps“ und „Vorsteher der Hundepatrouillen“ ablesen. Andere
Textquellen, wie die „Berichte aus Semna“, zeigen, dass es am Ende der 12.
Dynastie bereits eine beachtliche militärische Infrastruktur mit Schreibern
und anderen Bürokraten gab.
Doch erst in der 18. Dynastie (1550-1295 v. Chr.) formierte sich der
Soldatenstand als eigener Beruf, und es ist bezeichnend, dass nun Männer mit
militärischem Hintergrund wie Horemheb (1323-1295 v. Chr.) und Ramses I.
(1295-1294 v. Chr.) den Thron bestiegen, der bis dahin eher einer Gelehrten-
und Priesterelite vorbehalten gewesen war. Die Armee des Neuen Reiches wurde
oft von einem der Königssöhne geführt; sie bestand aus einem nördl. und
einem südl. Truppenverband, der jeweils von einem „obersten Stellvertreter“
befehligt wurde. An Feldzügen nach Vorderasien, Libyen oder Nubien nahmen
meist vier oder fünf grosse Divisionen teil, von denen jede etwa 5000
Berufssoldaten und Zwangsverpflichtete umfasste. Diese Divisionen waren
jeweils nach einem Gott wie Amun oder Ptah benannt, vielleicht mit Bezug auf
die Gottheit des Gaus, aus dem die Soldaten stammten. Die kleinste taktische
Armee-Einheit war der „Zug“ mit 50 Soldaten, gewöhnlich in 250 Mann starken
Kompanien zusammengeschlossen.
Vom Beginn der Pharaonenzeit an wurden in ägyptischen Armeen Söldner
eingesetzt - die Medjay z. B. zunehmend als Kundschafter bei
Wüstenfeldzügen. Ab der Ramessidenzeit zeigen Reliefdarstellungen von
militärischen Auseinandersetzungen, dass in die ägyptischen Truppen immer
mehr Ausländer eingegliedert wurden - häufig mit einem Brandmal versehene
Sklaven, die durch den Dienst in der ägyptischen Armee ihre Freiheit
erlangen konnten. In der Saitenzeit (664-525 v. Chr.) waren die Ägypter
besonders auf griechische und phönikische Söldner angewiesen zur Bemannung
der Flotte von Kriegsschiffen im griech.-phönikischen Stil, mit der Ägypten
eine gewisse Kontrolle über den Seehandel mit der Levante aufrechtzuerhalten
vermochte. |